Die drei München-Ansichten des venezianischen Künstlers Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, sind wieder in ihrem vollen historischen Glanz zu besichtigen. Das Raumkunstwerk rund um die Gemälde von 1761 in der Münchner Residenz sei wiederhergestellt worden, teilte die bayerische Schlösserverwaltung am Freitag mit. Die hölzerne Wandvertäfelung im zweiten Vorzimmer des kurfürstlichen Appartements sei aufwändig rekonstruiert worden. Die Veduten von Bellotto (1722-1780) zeigen München vom Gasteig aus und stellen das Schloss Nymphenburg dar.
Bellotto, Neffe und Schüler des Künstlers Giovanni Antonio Canal, war einer der gefragtesten Vedutenmaler seiner Zeit. Eine Vedute ist die wirklichkeitsgetreue Darstellung einer Landschaft oder eines Stadtbilds. Für die großen Höfe Europas schuf Bellotto berühmte Stadtansichten. 1761 fertigte er in München im Auftrag Kurfürst Max‘ III. Josephs die drei großformatigen Gemälde. Diese gehörten ursprünglich zur Ausstattung der Kurfürstenzimmer. Der Rahmen für Bellottos Gemäldeensemble waren raumhohe weiße Holzvertäfelungen mit Vergoldungen, in die die Rokokorahmen eingefügt waren.
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Kurfürstenzimmer zerstört, doch die ausgelagerten Bellotto-Gemälde überstanden die Bombardierungen unbeschadet. Beim Wiederaufbau ersetzte man die Holzverkleidung durch eine textile Wandbespannung. Damit ging laut Schlösserverwaltung ein wesentlicher Aspekt höfischer Raumkunst verloren: die Inszenierung von Materialität und Pracht, die einen zunehmenden Ausstattungsluxus offenbarte, je mehr man sich dem Herzen der fürstlichen Wohnung näherte. Nun präsentiere sich das Appartement wieder als ein Zeugnis höfischer Wohn- und Repräsentationskultur des 18. Jahrhunderts und als harmonisches Zusammenspiel von Architektur, Malerei und Handwerkskunst. (3569/16.11.2025)