Im Saarland sind laut der Krankenkasse Barmer rund 16.000 Menschen aufgrund von Alkoholsucht in medizinischer Behandlung. 11.000 Männer und 5.000 Frauen wiesen eine ärztlich diagnostizierte Alkoholabhängigkeit auf, erklärte die Krankenkasse am Mittwoch in Saarbrücken mit Blick auf eine Hochrechnung des eigenen Instituts für Gesundheitssystemforschung für das Jahr 2023. Der Anteil alkoholkranker Menschen im Saarland an der Gesamtbevölkerung habe bei 1,64 Prozent gelegen (Bund: 1,69 Prozent). Den geringsten Alkoholikeranteil habe Hessen (1,45 Prozent), den höchsten Mecklenburg-Vorpommern (2,61 Prozent).
Besonders oft seien Menschen in der zweiten Lebenshälfte von Alkoholsucht betroffen gewesen, erklärte die Krankenkasse. Rund jede vierte Diagnose entfalle auf Saarländerinnen und Saarländer zwischen 55 und 64 Jahren.
„Wir müssen weg von der gesellschaftlichen Verharmlosung von Alkohol und die Alkoholerkrankungen stattdessen in den Fokus der Gesundheitsvorsorge rücken“, sagte die Barmer-Landesgeschäftsführerin in Rheinland-Pfalz und im Saarland, Dunja Kleis. „Alkoholsucht ist eine zerstörerische Krankheit mit tiefgreifenden Folgen für Gesundheit, Psyche, soziale Bindungen und berufliche Perspektiven.“ Das Zellgift schade dem Körper immer, es sei leicht zugänglich und dementsprechend weitverbreitet. „Weil sich Alkoholabhängigkeit schleichend entwickelt und eine Alkoholsucht lange versteckt werden kann, vergehen bei Betroffenen nicht selten zehn Jahre von den ersten Krankheitszeichen bis zum Alkoholentzug“, erklärte sie.