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Bald wird ein neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz gewählt

Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz – der Titel klingt nach Macht und Einfluss. In Wahrheit muss der Amtsinhaber Debatten in der katholischen Kirche in Deutschland ebenso abfedern wie Kritik aus dem Vatikan.

Am Montag hat der Limburger Bischof Georg Bätzing angekündigt, für eine zweite Amtszeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz nicht zur Verfügung zu stehen. Damit ist das Rennen um seine Nachfolge eröffnet. Auf ihrer Vollversammlung in Würzburg vom 23. bis zum 26. Februar werden die Bischöfe einen neuen Vorsitzenden wählen.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing war im März 2020 relativ überraschend zum Vorsitzenden gewählt worden. Seine sechsjährige Amtszeit endet nun. Einige von Bätzings Vorgängern haben deutlich länger an der Spitze der Bischofskonferenz gestanden. Dazu gehören der Münchner Kardinal Julius Döpfner (1965-1976), der Kölner Kardinal Joseph Höffner (1976-1987) sowie der Mainzer Kardinal Karl Lehmann (1987-2008).

Bätzing leitete ebenso wie seine unmittelbaren Vorgänger Robert Zollitsch (2008-2014) und Reinhard Marx (2014-2020) nur eine Amtszeit lang die Geschicke der Bischofskonferenz. Bätzings sechs Jahre waren geprägt von Debatten um den Synodalen Weg. Dieses Refomprojekt hatte sein Vorgänger Marx zusamen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) auf den Weg gebracht. Es ging konservativen Kräften zu weit, Befürworter von Änderungen des kirchlichen Lebens dagegen verlangten tiefergehende Reformen. Mehrfach musste Bätzing im Vatikan für den Synodalen Weg werben – mit wechselndem Erfolg.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz ist nicht der “deutsche Papst”. Er ist “Primus inter Pares”, also Erster unter Gleichen, was freilich im Medienzeitalter eine herausgehobene Stellung ist. Er leitet die Zusammenkünfte der Bischöfe und repräsentiert die Konferenz gegenüber Staat und Gesellschaft. In der Öffentlichkeit tritt er als der Sprecher der Bischöfe auf; in seiner Amtsführung ist er aber an deren Beschlüsse gebunden. Seinen kirchlichen und gesellschaftlichen Einfluss muss er sich erarbeiten: durch Führungs- und Vermittlungsfähigkeiten in der Konferenz, gute Kontakte nach Rom sowie zu anderen Konfessionen, und nicht zuletzt durch überzeugende Präsenz auf den Bühnen der Öffentlichkeit.

Rechtlich ist die Wahl im Artikel 28 des Statuts der Bischofskonferenz geregelt: “Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und der Stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz werden von der Vollversammlung aus dem Kreis der Diözesanbischöfe für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Eine Wiederwahl ist einmal möglich.” In den ersten beiden Wahlgängen der Vorsitzenden-Wahl ist eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich, danach genügt die einfache Mehrheit.

Der Vorsitzende und sein Stellvertreter werden von der Vollversammlung gewählt, die Weihbischöfe gehören neben den Ortsbischöfen dazu. Manche sehen deshalb die Abstimmung als “Stunde der Weihbischöfe”. Genau das macht Prognosen schwierig. Die Stimmung dieser “Hilfs-Bischöfe” aus allen 27 Bistümern lässt sich nur schwer abschätzen. Gut die Hälfte der aktuell rund 60 Wahlberechtigten sind Weihbischöfe.

Meist richtet sich vor der Wahl der Blick auf jene Ortsbischöfe, die 65 oder jünger sind. Der Paderborner Erzbischof Udo Bentz (58) gilt als ein aussichtsreicher Kandidat, ist aber erst knapp zwei Jahre im (Erz-)Bischofsamt. Mit Blick auf einen “guten Draht” in den Vatikan wäre es idealerweise jemand, der einige Jahre in Rom verbracht hat. Dies trifft etwa auf die Bischöfe Stephan Ackermann (62; Trier), Michael Gerber (56; Fulda), Franz Jung (59; Würzburg) Bertram Meier (65; Augsburg) und Heiner Wilmer (64; Hildesheim) zu. Zudem sollte der Neue vom Profil her ins derzeitige Pontifikat passen, in dem nach dem Willen des Papstes die Einheit innerhalb der Kirche Priorität hat.