Bahn oder Auto – Komfort im Verkehr offenbar wichtiger als das Klima

Junge Menschen setzen auf einen Mix aus verschiedenen Verkehrsmitteln. Viele geben in einer Studie an, dass sie gern umweltfreundlicher unterwegs wären - und zeigen sich im Hinblick auf die eigene Wirksamkeit ernüchtert.

Menschen zwischen 16 und 27 Jahren nutzen tendenziell häufiger den öffentlichen Nahverkehr - doch sie entscheiden von Fall zu Fall, welches Verkehrsmittel am sinnvollsten ist. Das zeigt eine Studie der ADAC Stiftung, die am Donnerstag veröffentlicht wird. 59 Prozent der jüngsten Befragten nutzen demnach mindestens einmal pro Woche Bus oder Bahn; in der Gesamtbevölkerung gilt das für 35 Prozent.

Ebenso seien E-Scooter, Leihräder und Car-Sharing bei der Gen Z besonders beliebt, heißt es weiter. Besonders wichtig den Befragten aus dieser Altersgruppe demnach, schnell (52 Prozent) an ein Ziel zu kommen; es folgten "verlässlich" (48 Prozent), "günstig" (44 Prozent) und "flexibel" (43 Prozent). Die Befragten konnten laut Angaben fünf von 15 Eigenschaften auswählen, die ausschlaggebend für ihre Wahl des Verkehrsmittels sind. Umweltfreundlichkeit wurde von 12 Prozent der jungen Menschen genannt - weniger als in der Gesamtbevölkerung (15 Prozent).

Während in der Gesamtbevölkerung knapp zwei Drittel (61 Prozent) mindestens einmal pro Woche das Auto nutzen, sind es in der Gen Z mit 48 Prozent knapp die Hälfte. Auch für Urlaubsreisen nutzt die Gen Z (24 Prozent) das Auto seltener als die Gesamtbevölkerung (37 Prozent). Dafür verreisen 37 Prozent der Gen Z mit dem Flugzeug - mehr als jede andere Altersgruppe.

Die Vorständin der ADAC Stiftung, Christina Tillmann, sprach von "weniger Fixierung aufs Auto" als früher. Zugleich hätten die Jüngeren offenbar ihre Zuversicht verloren, "durch individuelles Verhalten Dinge zum Guten beeinflussen zu können" - und setzten daher auf Pragmatismus. So haben 58 Prozent in der Gen Z bereits einen Führerschein; 27 Prozent wollen ihn in Kürze machen. "Darin unterscheidet sich die Gen Z so gut wie gar nicht von ihren Vorgängergenerationen", heißt es.

61 Prozent der Jüngsten ist es demnach wichtig, mehrere Verkehrsmittel zur Auswahl zu haben. Das Auto sei für sie "Teil des Mobilitätsmix". Statt weiter für einen Wandel zu protestieren, zögen sich viele ins unmittelbare Umfeld und auf persönliche Bedürfnisse zurück, sagte Tillmann.

Dass diese Altersgruppe inzwischen eher resigniert auf das Thema Mobilität blicke, gehe jedoch nicht mit Desinteresse einher: So geben von ihnen 28 Prozent an, sich für Verkehrspolitik zu interessieren, während es in der Gesamtbevölkerung 19 Prozent sind. Auch fühlten sich über die Hälfte der Jüngsten (53 Prozent) moralisch verpflichtet, umweltfreundliche Verkehrsmittel zu nutzen - im Alltag bestimme allerdings Funktionalität das Mobilitätsverhalten. Dazu passt, dass sich mit dem Mobilitätsangebot nur jede und jeder Zehnte in der Gen Z zufrieden zeigt.

Den Angaben zufolge wurden gemeinsam mit dem SINUS-Institut und der Universität Duisburg-Essen 3.615 Personen zwischen 16 und 74 Jahren online repräsentativ befragt, mit einem Schwerpunkt auf Personen zwischen 16 und 27 Jahren.

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