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Baden-Württembergischer Ehrenfilmpreis für Kinopionier Stefan Paul

Der Tübinger Kinobetreiber, Filmverleiher und Regisseur Stefan Paul erhält den diesjährigen Baden-Württembergischen Ehrenfilmpreis. Er erhalte den undotierten, vom gemeinnützigen Kulturverein Filmbüro Baden-Württemberg verliehenen Preis am 7. Dezember im Alten Schloss in Stuttgart, teilte der Verein am Montag in Stuttgart mit. Fünf Jahrzehnte lang habe Stefan Paul als leidenschaftlicher Pionier der deutschen Programmkinobewegung gewirkt. Mit Mut, Engagement und einem Gespür für das Unangepasste habe er die alternativen Filmtheater im Südwesten und bundesweit mitgeprägt und mit Leben gefüllt, hieß es weiter.

Stefan Pauls Lebenswerk, so die Begründung der Preisverleiher, stehe für die Verbindung von Kunst und Engagement und zeige, dass Kino nie nur Unterhaltung war: Es war und bleibe eine Einladung zum Denken, Grenzen überschreiten und Diskutieren. Pauls Wirken strahle weit über die Landesgrenzen hinaus und mache ihn „zu einem wichtigen Player in der globalen Arthaus-Branche“.

Stefan Paul, geboren 1946 in Leipzig, wuchs in Stuttgart auf. Er studierte in Tübingen Germanistik und Amerikanistik und organisierte zunächst Filmabende, Rockkonzerte und politische Diskussionen. 1974 gründete er das Kino Arsenal, das erste Programmkino Baden-Württembergs, und machte es zu einer Keimzelle der alternativen Filmkultur.

Kurz darauf gründete Paul den Arsenal Filmverleih. Als Verleiher brachte er Werke von Wim Wenders, Jean-Jacques Beineix, Bertrand Tavernier, Bent Hamer, Hany Abu-Assad, John Waters und vielen internationalen Regisseuren ins deutsche Kino. Früh entdeckte er das „neue amerikanische Kino“ für das deutsche Publikum. Parallel drehte er Musikdokumentationen über Bob Marley, Mercedes Sosa und Rio Reiser. Für sein Lebenswerk wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt bei den Internationalen Hofer Filmtagen und mit der Hölderlin-Plakette der Stadt Tübingen. (2865/10.11.2025)