Die Zahl der Asylanträge russischer Staatsbürger ist im letzten Jahr weiter zurückgegangen. Für Januar bis November 2025 wurden 3.640 Asylanträge von Bürgerinnen und Bürgern der Russischen Föderation registriert, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervorgeht, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Auch die Schutzquote für diese Antragstellenden ist seit 2023 deutlich zurückgegangen. Zunächst hatten die Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Montag) darüber berichtet.
Nach dem Beginn des Angriffs-Krieges Russlands auf die Ukraine 2022 war die Zahl der Asylbegehren aus Russland im Jahr 2023 deutlich auf rund 9.000 gestiegen – seither ist sie rückläufig, wie aus der Antwort des Bundesinnenministeriums hervorgeht. Als Fluchtursachen nennt die Linken-Abgeordnete Clara Bünger neben dem Kriegsdienst für Männer eine massive Einschränkung der Bürgerrechte, die Unterdrückung kritischer Stimmen und eine Kriminalisierung von Minderheiten wie LGBTIQ. Regierungskritiker, Kriegsgegner, Menschenrechtler und Journalisten seien von „willkürlicher Strafverfolgung“ in Russland betroffen, sagte die Sprecherin für Innenpolitik ihrer Fraktion.
Auch die Zahl der positiven Asylentscheidungen ging über die letzten Jahre zurück. Die um formelle Entscheidungen bereinigte Schutzquote war den Angaben zufolge in den ersten beiden Kriegsjahren auf 29 Prozent im Jahr 2023 angestiegen; seither fiel sie auf zuletzt 6,8 Prozent in den ersten elf Monaten des Jahres 2025. Zur Schutzquote gehören Asylanerkennung, Flüchtlingsschutz, subsidiärer Schutz und Abschiebeverbot. Bünger forderte die Bundesregierung auf, „Asylsuchenden den Schutz zu gewähren, den sie dringend brauchen“.
Der deutliche Einbruch scheine vor allem auf Entscheidungen bei tschetschenischen Asylsuchenden zurückzugehen, erklärte die Linke. Sie machten die weitaus größte Gruppe der Asylbewerber aus Russland aus. Ihre Schutzquote habe sich zwischen 2021 und 2023 zwischen 16 und 21 Prozent bewegt, zuletzt nur noch bei 3,9 Prozent. Dabei sei die Menschenrechtslage in der von Machthaber Ramsan Kadyrow beherrschten russischen Teilrepublik Tschetschenien besonders kritisch – regelmäßig würden Fälle von Entführungen und Verschwindenlassen gemeldet, erklärte die Linksfraktion.
Insgesamt leben nach den Angaben der Bundesregierung knapp 286.000 Menschen mit russischer Staatsbürgerschaft in Deutschland – fast die Hälfte von ihnen verfügt über unbefristetes Aufenthaltsrecht, knapp 92.000 haben einen befristeten Aufenthaltstitel.