Der viel diskutierte Anstieg der Krankheitstage in Deutschland könnte laut einer wissenschaftlichen Auswertung der AOK in einem statistischen Effekt begründet liegen. Aus einer veröffentlichten Analyse der Daten von 14,9 Millionen erwerbstätigen Versicherten der Krankenkasse geht hervor, dass die Einführung der elektronischen Krankschreibung während der Corona-Pandemie im Jahr 2022 zu einem starken Anstieg von Krankschreibungen geführt hat, insbesondere bei kurzzeitigen Erkrankungen.
Das sei ein Hinweis darauf, „dass wir in unserer Statistik jetzt viele Fälle erfassen, die den Krankenkassen früher nicht gemeldet worden sind“, sagte der Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, Helmut Schröder. Seit der elektronischen Krankschreibung werden Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen direkt an die Krankenkassen übermittelt, was früher den Versicherten vorbehalten war und laut AOK vor allem bei Kurzzeiterkrankungen nicht zuverlässig erfolgte.
Psychische Leiden tragen weiter zu mehr Krankheitstagen bei
2021 entfielen bei AOK-Versicherten im Schnitt 5,9 Arbeitsunfähigkeitstage auf Erkrankungen, die in maximal zwei Wochen auskuriert waren. 2022 waren es dann sprunghaft 10,1 Tage. Im vergangenen Jahr lag der Durchschnitt bei 9,4 Tagen. Bei Erkrankungen, die länger als zwei oder sogar sechs Wochen behandelt werden mussten, gab es diese signifikanten Veränderungen nicht.
Die kurzzeitigen Erkrankungen machen der Analyse zufolge zwar den Hauptteil der Krankschreibungen, nicht aber der Krankheitstage aus. Hinter den meisten Fehltagen Erwerbstätiger, nämlich mehr als 60 Prozent, stecken längere Erkrankungen. Insbesondere Fehlzeiten wegen psychischer Leiden nehmen der AOK zufolge weiter zu. Im Schnitt waren AOK-Versicherte im vergangenen Jahr 23,3 Tage krankgeschrieben und damit etwas seltener als im Jahr davor (23,9).
