Anhaltische Kirche vor gravierenden Veränderungen

Sinkende Mitgliederzahlen zwingen zu Reformen und Einsparungen

„Wenn sich nichts ändert, dann wird sich alles ändern“, sagt Kirchenpräsident Karsten Wolkenhauer am Freitag zum Auftakt der Synode der Evangelischen Landeskirche Anhalts in Dessau-Roßlau. Die kleinste der 20 deutschen evangelischen Landeskirchen stehe aufgrund sinkender Mitgliederzahlen und Einnahmen vor gravierenden Veränderungen. Aktuell zählt die anhaltische Kirche rund 23.300 Kirchenmitglieder in 125 Gemeinden. Prognosen sehen eine weitere Schrumpfung auf nur noch 14.000 Mitglieder im Jahr 2035.

„Zahlen sind Indikatoren, aber noch keine Strategie“, sagt Wolkenhauer. Doch grundlegende Entscheidungen seien unumgänglich. Die Landeskirche müsse auch künftig ihrem Auftrag verpflichtet bleiben und sich am Evangelium ausrichten, betont der Kirchenpräsident. Es gehe darum, „den Gemeinden beste Bedingungen zu schaffen, dass sie ihren Auftrag erfüllen können“. Und deshalb müsse die Synode überlegen, „ob unsere Struktur unserem Auftrag dient, oder ob es andersherum ist“.

Vor diesem dramatischen Hintergrund stellte der Vorsitzende des Strategieausschusses, Jan Brademann, die 30-seitige „Strategie Anhalt 2035“ vor. „Wollen wir in 10 Jahren noch Kirche sein, müssen wir uns bewegen, und zwar sofort“, unterstrich er. Der Rückgang der Mitgliederzahlen betreffe demnach ganz direkt die Existenz zahlreicher Kirchengemeinden. Aktuell hätten 60 der 125 Gemeinden weniger als 100 Mitglieder, 26 sogar weniger als 50. Immer häufiger würden die Kirchenkreise Aufgaben übernehmen, die eigentlich Gemeindeaufgaben sind. Das Strategiepapier schlägt deshalb vor, die Aufgaben der zu kleinen Dorfgemeinden in letztlich fünf Gebietsgemeinden an den Standorten Ballenstedt, Bernburg, Dessau, Köthen und Zerbst zu bündeln.

Das sollte einhergehen mit Personaleinsparungen bei Pfarrstellen: Gegenwärtig kämen auf einen Gemeindepfarrer in Anhalt durchschnittlich 611 Gemeindemitglieder, während es in Bayern fast 2.000 seien, heißt es in dem Papier. Deshalb sei eine deutliche Reduzierung der hauptamtlichen Stellen unumgänglich - auch im Verwaltungsdienst.

Zur Verschlankung von Strukturen wird vorgeschlagen, die aktuell fünf Kirchenkreise samt ihren Kreissynoden ersatzlos zu streichen. Das würde vor allem Gremiensitzungen und Bürokratie einsparen. Aber auch auf der oberen Ebene müssten Reformen erfolgen: Das Strategiepapier schlägt vor, die Zahl der Synodenmitglieder von jetzt 38 auf nur noch 20 zu reduzieren.

Auf der anderen Seite könne das Landeskirchenamt zu einer Servicestelle ausgebaut werden. Und zum besseren Verständnis sollte der bisherige Kirchenpräsident besser als Landesoberpfarrer oder Bischof tituliert werden. Diese und weitere Veränderungen sollten in einer neuen Kirchenverfassung formuliert werden, die bis 2030 zu erarbeiten ist.

Am Freitag berieten die Synodalen zudem den Haushaltsplan für 2026. Demnach sind Ein- und Ausgaben von 19,5 Millionen Euro geplant, 230.000 Euro mehr als im laufenden Jahr. Die anhaltische Kirche rechnet dabei mit 5,7 Millionen Euro Kirchensteuereinnahmen und 3,2 Millionen Euro aus dem EKD-Finanzausgleich.

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