Alternde Gesellschaft stellt Generationenvertrag auf die Probe

Mehr Gerechtigkeit zwischen Jung und Alt: Experten mahnen eine neue Verteilung staatlicher Mittel an. Denn gesellschaftlich wächst der Riss – bei Rente, Klima und Geburten. Warum der Sozialstaat neu gedacht werden muss.

Experten fordern eine gerechtere Verteilung von staatlichen Mitteln zwischen den Generationen. "Die Generationenverbundenheit innerhalb der Familie ist da", sagte die Professorin für Demography and International Policy, Jane Falkingham, am Mittwoch. Die Verbundenheit nehme aber ab, wenn man auf die Gesellschaft schaue, erklärte sie bei einer Veranstaltung des Netzwerks Population Europe.

Das hat laut der Expertin der britischen Universität Southampton verschiedene Gründe. So steige der Wohlstand nicht mehr von Generation zu Generation. Hinzu kämen Debatten über den Sozialstaat wie etwa das Rentensystem und unterschiedliche Betroffenheit beim Klimawandel. Zudem wisse man nicht, ob die Geburtenrate wieder steige. Gerade in Südostasien und Korea nehme das ab. "Wir leben in einem der größten Wandlungsvorgänge der Welt."

Die zunehmend alternde Gesellschaft sei immer leistungsfähiger, erklärte Denis Gerstdorf, Berliner Professor für Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie. Ältere Menschen seien heute geistig, körperlich und emotional fitter. "75 ist das neue 60." Dies sollte auch bei der Debatte um die Erwerbstätigkeit bedacht werden, sagte Gerstdorf.

Pieter Vanhuysse, Professor für Political Economy and Public Policy in Dänemark, kritisiert, dass der europäische Wohlfahrtsstaat auf die Eltern-Kind-Unterstützung fokussiert sei. "Wir belasten die Eltern sehr viel stärker, als wir ihnen helfen", erklärte Vanhuysse. Wie bei der Rente kämen staatliche Leistungen vor allem den Älteren zugute. Die Unterstützung für junge Menschen werde dagegen eher privat organisiert.

👋 Unser Social Media