Aktivistin Neubauer und Klimaforscher blicken skeptisch auf COP30

Kooperation statt Konventionen

Wieder einmal treffen sich die Staaten, um Beschlüsse für den Klimaschutz auszuhandeln. Doch mittlerweile sei klar, was zu tun sei, sagt Klimaökonom Ottmar Edenhofer. Die COP solle ein Ort für aktive Gestaltung werden.

Die 30. Weltklimakonferenz steht an; sie startet am Montag. Doch Klimaökonom Ottmar Edenhofer zeigt sich vorab skeptisch: "COP30 wird nicht die COP der großen Beschlüsse sein - sondern es geht um Umsetzung." Beschlüsse seien bereits gefasst. Stattdessen sollten die Staaten sich nun dazu durchringen, sie auch konsequent umzusetzen.

Deshalb sei das wichtigste Ziel dieser Konferenz eine Zusammenarbeit der Staaten. Dazu gehöre, zu akzeptieren, dass ärmere Länder finanzielle Unterstützung brauchen. Länder wie Brasilien: Die COP findet symbolträchtig in der Nähe des Amazons-Regenwaldes statt. Das Land möchte unter Präsident Lula da Silva wieder aktiv werden im Klimaschutz. Der Regenwald spielt global eine entscheidende Rolle: "Brasilien stellt mit dem Amazonas eine gigantische Kohlenstoffsenke für die Menschheit bereit", sagt Edenhofer. Das Land brauche Gelder, um ihn zu schützen.

Die COP solle ein Ort werden, an dem zwischen vielen oder auch einzelnen Staaten verbindliche Vereinbarungen getroffen werden. Sie solle zukünftig dazu dienen, dass kleinere Staaten und Verbünde etwa Projekte vorstellen und gemeinsam umsetzen. Denn: "Das Klimaproblem ist ein Kooperationsproblem und genau das macht es so schwer zu lösen", sagt der Wissenschaftler.

Inhaltlich sollten sich die Staaten nach Edenhofers Worten darauf einigen, Abgaben und Steuern auf fossile Energieträger zu erheben: etwa auf Flug- oder Schiffsverkehr oder Öl- und Gasmärkte. Mit diesen Geldern sollten der Kohleausstieg und weitere Klimaschutz-Maßnahmen finanziert werden. Das aktuelle politische Engagement reiche nicht aus: "Die Staaten versprechen zu wenig - und vieles von dem, was sie versprechen, halten sie nicht."

Viel zu wenig, sagt Lukas Hopp. Der Aktivist von "Fridays for Future" ist 22 Jahre alt - und resigniert. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel seien klar, aber in der Politik bewege sich kaum etwas. Deshalb spreche die Frankfurter Lokalgruppe selten mit Politikern: Sie wüssten ja, was auf dem Spiel stehe. "Und wir sehen nicht, dass es das Ziel der Politik ist, Klimagerechtigkeit und -neutralität zu erreichen." Also wendet er sich an die Bevölkerung. Am kommendem Freitag (14. November) steht ein internationaler Klimastreik an, um an den Klimawandel zu erinnern und Menschen zum Mitmachen zu bewegen.

Luisa Neubauer ist da optimistischer - oder, wie sie sagt: "Possibilistin". Die Klimaaktivistin möchte sehen, was möglich ist - und dafür selbst einstehen. Für die Klimakonferenz bedeute das, sich für die Abkehr von fossilen Brennstoffen und eine finanzielle Unterstützung ärmerer Länder einzusetzen.

Die Klimabewegung in Deutschland habe "mehr erreicht, als wir es je hätten erträumen können", sagt Neubauer: Kohleausstieg, global sinkende Emissionen und ein weltweit anerkanntes Gerichtsurteil, demzufolge Klimaschutz stärker berücksichtigt werden müsse. Wenn sich Menschen der aktuellen Situation ohnmächtig ausgeliefert fühlen, betont sie: "Man muss sich immer vor Augen führen, wie unwahrscheinlich die Gegenwart ist, was wir erreicht haben."

Doch zugleich solle sich die Bundesregierung klarmachen, was derzeit geschehe, mahnt Neubauer: "Diese Regierungen weltweit, die jetzt ins Schlingern kommen, weil Donald Trump in all seinem Fanatismus poltert, die werden sich doch in nur wenigen Jahren in Grund und Boden schämen, dass sie keinen kühlen Kopf bewahrt, sondern vergessen haben, um was es hier eigentlich geht. Und dass wir die Staaten belächeln und auch verachten werden."

Um Politik und Gesellschaft zum Handeln zu bewegen, brächten klimatische Horrorszenarien wenig, sagt die Aktivistin: "Viel mehr muss man darüber sprechen, dass es in der Klimafrage kein 'zu spät' gibt. Dass sich jedes bisschen Einsatz lohnt." In Brasilien sei sie wegen ihres Masterabschlusses nicht persönlich vor Ort. Von Deutschland aus wappne sie sich für Enttäuschungen, aber auch für mögliche Überraschungen: Denn nur weil etwas unwahrscheinlich ist, sei es nicht lange nicht unrealistisch.

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