Das Auktionshaus Felzmann in Neuss begrüßt den Stopp ihrer Versteigerung von Dokumenten aus der NS-Zeit. „Uns ist bewusst, dass wir in der Bewertung der Einlieferungsanfrage eine falsche Entscheidung getroffen haben und bedauern, sofern wir damit Gefühle von Hinterbliebenen und Betroffenen der Opfer des NS-Terrors verletzt haben“, erklärte das Auktionshaus am Montag. Unter anderem NRW-Staatskanzleichef Nathanael Liminski (CDU) hatte mit dem Auktionshaus telefoniert.
Das Auktionshaus erläuterte, dass es nicht selbst entscheidet, welche Gegenstände in den Verkauf gegeben werden. Vielmehr würden Gegenstände im Namen von Einlieferern veräußert, die an das Haus herantreten. Die im kritisierten Fall eingelieferten Dokumente und Gegenstände seien zu einem nicht unmaßgeblichen Teil von Nachkommen der Opfer zur Auktion übergeben worden, erklärte das Neusser Auktionshaus. Ein weiterer Teil stamme aus einer privaten Forschungssammlung. Sämtliche Artikel aus dieser Forschungssammlung seien nach Kenntnis des Hauses auf dem offenen Markt seriös erworben worden.
Das Auktionshaus betonte, dass die Entscheidung für einen Verkauf von persönlichen Dokumenten bei den Besitzern liege. Für einen Verkauf könne es viele Gründe geben, „und es steht uns nicht zu, diese Entscheidung zu bewerten“. Grundsätzlich sei eine öffentliche Versteigerung ein sinnvoller Weg, Geschichte lebendig zu halten. „Dabei legen wir Wert auf die Feststellung, dass insbesondere auch Gedenkstätten und Museen zu unseren Kunden zählen.“
Unter anderem hatte das Internationale Auschwitz Komitee die geplante Versteigerung von Dokumenten aus der NS-Zeit in Neuss kritisiert und einen Stopp der für Montag geplanten Versteigerung unter dem Titel „System des Terrors, Vol. II“ gefordert. Im mittlerweile offline genommenen Online-Katalog waren unter anderem Dokumente und Post der NS-Verfolgten aus Konzentrationslagern sowie Täterpost zu finden.
„Für Verfolgte der Nazis und Überlebende des Holocaust ist diese Versteigerung ein zynisches und schamloses Unterfangen“, hatte der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, am Samstag in Berlin erklärt. Die Dokumente der Verfolgung und des Holocaust gehörten den Familien der Verfolgten und sollten in Museen oder Ausstellungen von Gedenkstätten zu sehen sein.