Der Choral „Sollt ich meinem Gott nicht singen“ ist eines meiner Lieblingslieder im Gesangbuch. Der Text dieses Danklieds stammt von dem berühmten Liederdichter Paul Gerhardt. Neben Martin Luther ist er der bedeutendste Liederdichter in der Gesangbuchgeschichte. Er schrieb dieses Lied 1653 kurz nach dem Dreißigährigen Krieg – in einer Zeit, in der die Verwüstungen und Nöte des Krieges noch sehr präsent waren. Sollt ich meinem Gott nicht singen?
Diese Frage beantwortet Gerhardt trotz vieler düsterer Lebenserfahrungen mit einem klaren „Ja!“ Dieses Ja begründet er in den folgenden Strophen in vielfältiger Weise. Die zehn (ursprünglich sogar zwölf) Strophen stecken voller tiefer theologischer Gedanken, vor allem aber sind sie geprägt von dankbarem Vertrauen auf Gottes Liebe. „Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit“ – mit diesem Kehrvers enden die ersten neun Strophen. Die zehnte Strophe bringt es dann noch einmal auf den Punkt: Die Gewissheit, von Gott geliebt zu werden, nimmt die Singenden hinein in den Klang der Ewigkeit.
