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3sat-Doku überrascht mit Erkenntnissen der Stoffwechselforschung

Viele Menschen achten auf ihre Ernährung – und nehmen trotzdem zu. Manche Fachleute sehen inzwischen den Stoffwechsel als Schlüssel zum Abnehmen. Eine 3sat-Doku beleuchtet neue Ansätze aus der Forschung.

Viele Menschen leben bewusst, zählen Kalorien, achten auf Bewegung und ausgewogene Ernährung – trotzdem nehmen sie an Körpergewicht zu. Andere bleiben scheinbar mühelos und ohne großen Aufwand schlank. Mit diesem Ungleichgewicht befasst sich die 3sat-Dokumentation “Stoffwechsel-Update: Was pusht unsere Energie?” der Wissensreihe “Nano” am Donnerstag um 20.15 Uhr. Der Film liefert neue und überraschende Erkenntnisse aus der Stoffwechselforschung.

Menschen mit Übergewicht haben nicht unbedingt, wie man annehmen könnte, einen trägen Stoffwechsel. Manche verfügen vielmehr über einen besonders sparsamen Energiehaushalt, heißt es im Film. Ein evolutionärer Vorteil, der in Zeiten des Überflusses an Nahrungsmitteln jedoch zum Nachteil wird.

Seit Jahren erforscht der Kieler Endokrinologe Tim Hollstein, warum manche Menschen trotz vergleichbarer Ernährung und Bewegung deutlich mehr zunehmen als andere. “Ich möchte herausfinden, warum es diese unterschiedlichen Effekte im Stoffwechsel gibt, konkret drei Stoffwechseltypen”, sagt der Facharzt für hormonelle Erkrankungen am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Seine Erkenntnisse könnten den Weg zu neuen, individuell zugeschnittenen Therapien ebnen. Denn Hollstein hat Frieren als einen Verstärker für das Abnehmen ausgemacht. Auch das Gehirn rückt in den Fokus aktueller Forschung. So interessiert sich Stephanie Kullmann vom Helmholtz-Institut an der Universität Tübingen speziell dafür, wie Insulin als Taktgeber für den gesamten Stoffwechsel wirkt. Die Studien der Neurowissenschaftlerin zeigen, dass ungesunde Ernährung die Insulin-Sensibilität im Gehirn verringert – und dies laut Kullmann “lange bevor sich Übergewicht auf der Waage zeigt”.

Seit 20 Jahren ist die Filmemacherin Frédérique Veith auf wissenschaftliche und gesellschaftlich relevante Themen spezialisiert. Die Deutsch-Französin versteht sich “nicht nur als Übersetzerin zwischen zwei Kulturen, sondern auch als Übersetzerin wissenschaftlicher Inhalte für ein breites Publikum”. Eine Besonderheit bei diesen Dreharbeiten: Veith durfte Pia, Nathalie und Daniel – drei Teilnehmende einer Pilot-Studie mit insgesamt 20 Diät-Probandinnen und -Probanden am Leipziger Helmholtz-Zentrum – begleiten. Die drei seien “ein wahres Geschenk” für die Doku, “denn sie machen anderen Menschen Hoffnung”, erklärt Veith.

Einzelhandelskaufmann Daniel aus Paderborn etwa probiert es mit einer Ernährungsumstellung: kein Zucker, wenig Kohlehydrate, dafür gesunde Fette. Der gelernte Maurer führt ein Video-Tagebuch und sagt, dass er in Zukunft gesünder leben und “nicht noch mehr Gewicht aufbauen” möchte.

Die Kamera begleitet auch Medizinstudentin Pia und Ernährungswissenschaftlerin Nathalie (“Mich interessiert, warum ich nicht zunehmen kann”). Angeleitet von Sascha Heinitz, Facharzt für Innere Medizin, besuchen sie auch die “Stoffwechselkammer”. Dort können der Kalorienverbrauch und das Verhältnis von Kohlenhydrat- und Fettumsatz eines Menschen bestimmt werden.

Durch die filmische Aufbereitung wissenschaftlicher Erkenntnisse gelingt es Veiths Doku, neue Inhalte zu vermitteln, die einen anderen Blick auf den menschlichen Stoffwechsel werfen. Nun machen die Fachleute Hoffnung, denn viele der behandelten Abläufe sind zwar grundsätzlich bekannt – aber individuelle Aspekte haben bisher kaum eine Rolle gespielt.

Als Ziel nennt die Filmemacherin, stets “eine gute Orchestrierung” von Expertinnen und Experten zu finden, die “spannende neue Inhalte präsentieren und gut aufeinander aufbauen”, sagt Veith der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Auch durch die nahe Begleitung von Pia, Daniel und Nathalie ist ihr das in der Dokumentation gelungen – in ihnen dürften sich viele Zuschauerinnen und Zuschauer wiederfinden.

Im Anschluss an die “Nano Doku” wird das Thema um 21.00 Uhr im “Nano Talk” mit Gästen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven vertiefend diskutiert.