35 Jahre Einheit – Ost-Identität prägt junge Erwachsene bis heute

Zwei Drittel der Ost-Millennials betonen ihre Herkunft. Für Gleichaltrige im Westen spielt das kaum eine Rolle. Der neue Einheitsbericht der Ostbeauftragten der Bundesregierung macht deutliche Unterschiede sichtbar.

"Der Osten" ist für junge Erwachsene, die um die Wendezeit 1990 zur Welt kamen und dort aufwuchsen, immer noch prägend für ihr Identitätsempfinden. Während Gleichaltrige, die aus dem Gebiet der alten Bundesrepublik stammen, mit der Zuschreibung "westdeutsch" nichts anfangen können, identifizieren sich junge Ostdeutsche weitaus häufiger als "Ossis". Das geht aus dem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Bericht zum Stand der Deutschen Einheit hervor, den die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, vorgelegt hat.

Außerdem sind laut Bericht junge Menschen in Westdeutschland überwiegend der Meinung, es sei nicht länger relevant, ob man aus dem Westen oder dem Osten kommt. Zwei Drittel der Ost-Millennials sagen hingegen, dass das sehr wohl noch eine Rolle spielt. Junge Menschen, die nach 1990 geboren wurden, gelten als die erste gesamtdeutsch-sozialisierte Generation.

Trotz des Aufwachsens im vereinten Deutschland unterscheiden sich die Rahmenbedingungen weiterhin, wie der Bericht festhält. Eine Herkunft aus Ostdeutschland bedeute überdurchschnittlich oft ein Aufwachsen in Familien mit niedrigem Einkommen und wenig oder gar keinem Vermögen. Das präge den Lebensweg vieler Ostdeutscher bis weit ins Erwachsenenalter hinein. In heiklen Lebensphasen, wie etwa bei einem Start in die berufliche Selbstständigkeit oder bei der Familiengründung, könnten sich Ostdeutsche viel seltener auf finanzielle Unterstützung durch die Eltern verlassen als Westdeutsche.

Junge Menschen treffen laut Bericht außerdem in Ostdeutschland jenseits der Metropolen nur auf wenige Gleichaltrige. Die soziale Interaktion und Begegnung werde außerhalb der Schule immer schwieriger, auch weil der öffentliche Nahverkehr schlecht ausgebaut ist. So verlagere sich der Austausch mit Gleichaltrigen weitgehend in den virtuellen Raum. Analoge Freizeitgestaltung finde demgegenüber viel öfter als im Westen innerhalb der Familie statt oder in Vereinen, die allerdings von älteren Generationen geprägt seien.

Oft fehle schlicht die "kritische Masse" an Jugendlichen, die es eigentlich brauche, um sich von den älteren Generationen zu emanzipieren und vor Ort eigene Ideen und Projekte in die Tat umzusetzen. "Wer sich selbst verwirklichen will, verlässt als Erwachsener häufig notgedrungen die ländliche Heimat und sucht ein neues Zuhause in den Metropolen", konstatiert der Bericht.

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