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16 Jahre nach Missbrauchsskandal: Eckiger Tisch appelliert an Kirche

Am 28. Januar 2010 berichtete die Presse über sexuellen Missbrauch am Berliner Canisius-Kolleg. Danach kamen immer neue Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche ans Licht. Opfervertreter üben weiter harte Kritik.

16 Jahre nach Beginn des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche bekräftigt die Opferinitiative Eckiger Tisch ihre Forderung nach angemessener Entschädigung für die Opfer. Dazu legte die Initiative am Mittwoch ein Positionspapier “Ausgleichende Gerechtigkeit” vor. “Die Aufarbeitung ist längst nicht abgeschlossen und die Betroffenen sind bis heute nicht angemessen entschädigt”, erklärte der Eckige Tisch dazu. Die katholische Kirche müsse “endlich umfassend Verantwortung” übernehmen und den Betroffenen angemessen begegnen.

Das seit 2021 bestehende Verfahren der “Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen” (UKA) sollte Betroffenen eine außergerichtliche Entschädigung ermöglichen, erinnert der Eckige Tisch. “Tatsächlich aber erfüllt das System dieses Versprechen vielfach nicht. Knapp 3.000 Erst- und Folgeanträge wurden bislang gestellt (Stand Dezember 2025). Gut 600 Vorgänge sind noch immer nicht abschließend entschieden, teils mit jahrelangen Wartezeiten und zahlreichen Widersprüchen.” Viele Betroffene stellten aus Misstrauen oder möglicher Retraumatisierung gar keinen Antrag.

Das Positionspapier umfasst sechs Forderungen. Demnach sollen Betroffene juristische und psychologische Prozessunterstützung erhalten und mögliche Kosten von der jeweiligen kirchlichen Institution getragen werden. Zweitens müssten Betroffene ihre Anträge direkt bei der UKA stellen können und nicht bei den Bistümern und Orden. “Die UKA beauftragt die Institutionen dann lediglich mit einer Plausibilitätsprüfung. Antrag und Akten müssen gar nicht, Informationen zu den Betroffenen nur nötigstes an das Bistum gegeben werden.”

Drittens fordert das Papier, die Entscheidungen der UKA müssten ausführlich begründet werden. “Es muss über den ganzen Prozess ersichtlich sein, wer wann mit dem Fall betraut war, Einsicht in Unterlagen hatte und was der aktuelle Stand ist.” Weiter verlangt die Initiative mehr Ressourcen für die UKA und schnellere Verfahren. “Bis zu 3 Jahre Wartezeit auf eine Entscheidung sind nicht zumutbar.”

Ferner müssten Betroffene auf ihren Wunsch von der UKA gehört werden. So kann die UKA zu besseren Entscheidungen kommen und zu Auszahlungshöhen, die sich an Urteilen ordentlicher Gerichte orientieren und einer echten Anerkennung näherkommen. Sechstens fordert der Eckige Tisch die räumliche und organisatorische Unabhängigkeit der UKA von der Deutschen Bischofskonferenz. Die UKA müsse “Herrin des eigenen Verfahrens werden”.