120 Jahre alter Tora-Vorhang offenbart seine Geschichte

Die Geschichte eines rund120 Jahre alten Tora-Vorhangs im Jüdischen Museum Augsburg Schwaben konnte nun geklärt werden. Wie das Museum am Donnerstag mitteilte, hat der Historiker Christian Porzelt herausgefunden, dass der Vorhang aus der Synagoge in Altenstadt an der Iller stammt. Er sei am 10. November 1938 während der Novemberpogrome zusammen mit weiteren Ritualgegenständen von den Nationalsozialisten beschlagnahmt worden. Im Staatsarchiv in Neuburg an der Donau sei er bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs verwahrt worden.

Den entscheidenden Hinweis lieferte der Mitteilung zufolge ein Brief. Im Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Schwaben-Augsburg fand sich ein Schreiben eines aus Altenstadt stammenden Juden aus dem Jahr 1965. Der Mann, der in den 1930er Jahren aus Deutschland fliehen konnte, fragte darin bei der Augsburger jüdischen Gemeinde an, ob sich dort eventuell noch Ausstattungsstücke aus der Synagoge seines Heimatortes erhalten hätten. Er beschrieb dabei den Tora-Vorhang genau.

Tora-Vorhänge (Parochet) sind dem Museum zufolge Textilien, die den Schrein verdecken, in dem die Tora-Rollen, die heiligste Schrift des Judentums, in der Synagoge aufbewahrt werden. Wie aus einer gestickten goldenen Inschrift auf braun-rotem Samt hervorgeht, wurde dieser reich gestaltete Parochet um 1900 von Eugen Billigheimer zum Andenken an seine verstorbene Ehefrau Regina Billigheimer gestiftet.

Nach Kriegsende 1946 erfolgte laut dem Historiker die Rückgabe an die Israelitische Kultuszentrale Schwaben, die Vorgängerinstitution der heutigen IKG Schwaben-Augsburg. Ein Foto, das bei der Museumseröffnung 1985 entstand, zeigt den Tora-Vorhang schließlich im Ausstellungsraum des Jüdischen Museums. So konnte die Geschichte des Objekts Schritt für Schritt anhand vieler kleiner Hinweise rekonstruiert werden.

2025 wurden laut dem Museum konservatorische Maßnahmen zur Sicherung des empfindlichen Materials durchgeführt, denn der aus braun-rotem Seidensamt und gelbem Seidendamast gefertigte Vorhang zeigte altersbedingte Schäden. In sorgfältiger Handarbeit seien die losen Kordeln und Borten wieder angenäht worden. (3476/06.11.2025)

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