Freundschaften stärken Herz und Seele - und können sogar das Leben verlängern. Eine Arte-Doku zeigt, warum Nähe, Vertrauen und gemeinsame Zeit viele Menschen glücklicher machen.
Freundschaft hat eine herausragende Bedeutung für die Einzelnen und für die Gesellschaft; sie ist der "Schmierstoff" für ein gutes Miteinander. Ohne ein auf Zuneigung und Vertrauen beruhendes Verhältnis wäre das menschliche Zusammenleben schwierig, wenn nicht unmöglich. Über die Bedeutung solcher Verbundenheit berichtet am Samstag, 14. Februar, von 23.15 bis 0.15 Uhr die Arte-Dokumentation "Freundschaft - eine Superkraft?" Denn freundschaftliche Beziehungen formen die menschliche Identität, stärken das Wohlbefinden und sollen das Leben verlängern.
Um unterschiedliche Formen dieser Verbindung zu zeigen, besucht das Filmteam in Paris die Animationskünstlerin Émilie Tronche. Auch die Regisseurin Manuela Richter-Jähnig und die französische Artdirektorin sind seit ihrer Teenagerzeit freundschaftlich verbunden. Für beide ist diese Freundschaft der Raum, wo jede sie selbst sein kann, gebaut auf Verständnis und Vertrauen. Tronche ist bekannt durch die Arte-Serie "Samuel", die Millionen Menschen erreicht und bewegt hat - und in der es ebenfalls um Liebe und Freundschaft geht.
Einen Beleg dafür, dass Freundschaft auch im Alter eine versteckte Superkraft ist, liefert der Besuch des Filmteams bei Senioren-Fußballern. Die Münchner Dieter, Wolfgang, Christoph, Rudolf und Erich gehören zur "FC Bayern München eV Senioren Ü60". Die Männer feiern Erfolge, die auch deshalb zusammenschweißen, weil die Mannschaft befreundet ist und Probleme ehrlich besprechen kann, wie die Altherren-Kicker im Film sagen.
Am Institut für Entwicklungspsychologie der Universität im niederländischen Leiden findet Berna Güroglu heraus: Freundschaften aktivieren das Belohnungssystem. Für die Neurowissenschaftlerin fördern sie den Selbstwert, die mentale Gesundheit und Widerstandsfähigkeit durch die Ausschüttung von Neurochemikalien wie Dopamin und Beta-Endorphin.
In den USA befasst sich am Dartmouth College in Hanover (New Hampshire) die Neurowissenschaftlerin Thalia Wheatley mit der Frage, welche Faktoren darüber entscheiden, wen Menschen als Freund oder Freundin wählen. Tests im Wahrnehmungsverhalten einiger Probandinnen und Probanden liefern dafür Erkenntnisse.
Wie mächtig Freundschaft ist, zeigt sich auch, wenn sie fehlt. An der Ruhr-Universität Bochum forscht Dirk Scheele über Ursachen und neurobiologische Grundlagen von Einsamkeit. Er verweist auf eine große Studie, derzufolge ein Mangel an Freundschaft mit einem größeren Sterblichkeitsrisiko verbunden sei als etwa Alkoholkonsum, Übergewicht oder Rauchen. Freunde sind für Scheele ein Puffer gegen Stress und schützen so die Gesundheit.
Mit anderen befreundet sein, das scheint auf den ersten Blick keine große Kunst zu sein. Martina Mara, Professorin für Psychologie der Künstlichen Intelligenz und Robotik an der Universität Linz, sieht das anders: "Wir Menschen sollten nicht unterschätzen, wie einzigartig wir sind in unserer Fähigkeit, Freundschaften aufzubauen."
Für Nicholas Epley sind Freunde als "eine Stütze im Alltag", die Seelenfrieden spenden. Der Verhaltensforscher aus Chicago ist sich sicher: "Wir sind von Grund auf für Freundschaft gemacht. Und wenn wir uns dafür öffnen, läuft es oft besser, als man denkt." Im Film verrät Epley sein "Rezept" dafür: "Der Schlüssel zum Erhalt von Freundschaft ist Beharrlichkeit".
Die Arte-Doku, eine Produktion vom Hessischen Rundfunk (HR) im Arte-Programm, ist ein schöner Lichtblick zu später Stunde. Der kurzweilige Wohlfühlfilm von Manuela Richter-Jähnig setzt kompakt und informativ unterschiedliche Freundschaften ins Bild und erläutert, warum viele davon ein Leben lang halten.
Der Film macht deutlich, dass Freundschaft gerade in Zeiten zunehmender Einsamkeit und Digitalisierung wie der Kitt ist, der einzelne Menschen und auch das gesellschaftliches Leben zusammenhält. Dazu ermuntert auch US-Wissenschaftler Epley am Ende der Doku: "Also geht raus, sagt 'Hallo' zu Leuten. Lächelt sie an, versucht, ins Gespräch zu kommen."