Bei unseren Veranstaltungen fragen wir stets nach Feedback. Hanna meldete uns zurück: „Das mit dem Beten finde ich unangenehm. Könnt ihr das nicht weglassen?” Da wir Rückmeldungen ernst nehmen und auch Menschen erreichen wollen, die nichts mit Kirche oder christlichem Glauben zu tun haben, fragten wir uns, was wir damit machen. Stattdessen einfach nur den Segen sprechen? Aber irgendwie war das unbefriedigend und so fragten wir nach. Hanna antwortete: „Beten ist mir fremd. Ich weiß nicht, was ihr da macht, wenn ihr betet, zu wem ihr sprecht und wie ich mich dabei verhalten soll.“
Beten scheint fast so etwas wie eine „bedrohte Art“. Unsere Kultur und Kirche sind sehr auf das Machen orientiert, wo wir aktiv sind, wo unser Intellekt gefragt ist. Weniger Raum und Wertschätzung hat oft das, wo wir einfach da sind, wo wir ruhen, empfangen. Auch Beten gehört dazu. Da sind wir nicht die, die machen, tun und kontrollieren. Hier zeigen wir uns bedürftig, verletzlich, verbunden und angewiesen auf das, was größer ist als wir und liebend.
Gott genderneutral angesprochen
Wir haben nun schon verschiedene Formen des Betens ausprobiert. Dabei wurde uns wichtig, Gott vielfältig anzusprechen und nicht nur als „Herr“ und „Vater“, was für viele Menschen heute patriarchal und abschreckend klingt. Wir verwenden zum Beispiel Anreden wie Quelle des Lebens, Du, Ewige, das, was größer ist als wir. Wir haben darauf sehr berührende Rückmeldungen bekommen. Menschen atmen auf, wenn sie Gott auch mal weiblich ansprechen können oder in neuen Worten. Denn je nach persönlicher Situation sprechen die Anreden unterschiedlich zu uns.Eine besondere Form des Betens ist das Danken. Es lenkt unseren Blick auf das Schöne und Gute, was da ist. „Dankbarkeit ist ein revolutionärer Akt“, sagt Joanna Macy, Pionierin der Tiefenökologie. Nach ihr ist Dankbarkeit Widerstand gegen eine profitgetriebene Wirtschaft, der es ständig darum geht, das Gefühl zu erzeugen, defizitär zu sein. So wie wir sind, mangelt es uns. Dankbarkeit dagegen feiert, was da ist. So oft werden wir beschenkt. Es ist sicher kein Zufall, dass die Psalmen, trotz allem Schlimmen, immer auch Lob und Dank enthalten.Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
