Jede Frau hat ihn über mehrere Jahrzehnte - doch nur wenige wissen wirklich über ihn Bescheid: den Zyklus. Dabei beeinflusst er nicht nur die Fruchtbarkeit. Eine Familienberaterin klärt auf.
Der weibliche Zyklus hat nicht nur Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit einer Frau, sondern unter anderem auch auf ihr Immunsystem und Energielevel. "Deswegen ist es so wichtig, den eigenen Zyklus verstehen zu lernen", sagt Anne Schmuck, Beraterin für Natürliche Familienplanung (NFP), im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). In ihrem kürzlich erschienenen Buch "Meinen Zyklus lesen und verstehen" klärt die 39-jährige Mutter zweier Kinder über Zyklusphasen, Menstruationsbeschwerden und eine natürliche Verhütung auf.
"Die meisten Frauen wissen sehr wenig über ihren Zyklus", berichtet Schmuck aus ihrer 15-jährigen Beratungspraxis. "Wenn ich ihn verstehe, fühle ich mich aber nicht so ausgeliefert. Ich kann ihn besser annehmen und Bedürfnisse gegenüber meinem Partner oder meiner Familie kommunizieren", so Schmuck. Ihr zufolge teilt sich der weibliche Zyklus in zwei Phasen auf - eine vor und eine nach dem Eisprung. Der Eisprung selbst sei dabei "ein sehr kurzes, aber enorm wichtiges Event".
Die erste Zyklusphase beginnt demnach mit dem ersten Tag der Menstruation; in dieser Phase reifen Eizellen heran. "Unser Immunsystem ist in dieser Zeit sehr fleißig, wir sind gut geschützt", sagt Schmuck. Viele Frauen fühlten sich zudem wohler in ihrer Haut, seien energiegeladen, aktiv und hätten größere Lust auf Sex.
In der zweiten Phase, die nach dem Eisprung beginnt, stelle sich der Körper darauf ein, möglicherweise schwanger zu werden. "Das Immunsystem wird gedrosselt, um nicht eine befruchtete Eizelle, also teilweise körperfremde DNA, zu bekämpfen", erklärt Schmuck. In dieser "Vielleicht-bin-ich-schwanger"-Phase, auf die der Körper programmiert sei, neigten viele Frauen eher zum Rückzug. "Der Körper baut dann Reserven auf", so die Beraterin.
Allein dieses Verständnis der Zyklusphasen könne helfen, sich darauf einzustellen. "Wenn ich weiß, dass ich in der zweiten Phase bin, fahre ich nach dem Sport vielleicht nicht mit nassen Haaren nach Hause, sondern föhne sie und ziehe mich wärmer an, weil ich weiß, dass mein Immunsystem nicht so aktiv ist", sagt die Buchautorin. In der zweiten Zyklusphase hätten Frauen zudem oft das Bedürfnis, aufzuräumen oder anderweitig Ordnung zu schaffen. "Wenn ich das weiß, muss ich mich damit nicht in Zyklusphase eins quälen, sondern kann das Aufräumen verschieben."
Ein Irrglaube, der der Beraterin immer wieder begegnet, ist, dass der Zyklus 28 Tage dauern muss, die Blutung fünf Tage. "Das ist nicht der Durchschnitt, bei der Mehrheit treffen diese Längen nicht zu", betont sie. 23 bis 35 Tage seien eine normale Zykluslänge. Je nach Lebensumständen könnten sich Zyklus, Eisprung und Menstruation aber auch verschieben. Stress sei zum Beispiel ein Einflussfaktor.
Frauen, die anfangen wollen, ihren eigenen Zyklus kennenzulernen, empfiehlt Schmuck zunächst, sich zu informieren und einzulesen. Danach könne man daran gehen, zwei Körperzeichen genauer zu beobachten: die Körpertemperatur und den sogenannten Zervixschleim. "An beiden erkennt man Muster, aus denen man ableiten kann, in welcher Phase man steckt und was einem gut tun würde", erklärt die studierte Germanistin. Steigt die Temperatur etwa an, liegt der Eisprung hinter einem; man ist nicht mehr fruchtbar. Ist der Zervixschleim besonders dünnflüssig, spricht das hingegen für eine höhere Fruchtbarkeit.
Für die Beraterin hat die - nicht nur bei Frauen - verbreitete Unkenntnis über den Zyklus auch eine gesellschaftliche Dimension. "Der Zyklus ist ein großer Teil davon, was mich als Frau ausmacht - ob ich das will oder nicht. Wenn wir ihm keine Aufmerksamkeit schenken, sagt das auch etwas über unseren Wert als Frau aus." Sie beobachte, dass die Menstruation noch häufig ein Tabuthema sei - dann dürften Mädchen zum Beispiel nicht mit ihren Brüdern oder dem Vater darüber reden, dass sie erstmals ihre Regelblutung bekommen haben. "Aus dieser Sprachlosigkeit kann Unsicherheit entstehen, die sich auf das Körperbild der Frau auswirkt", mahnt Schmuck.