Die Weltnaturkonferenz endet für Umweltschützer ernüchternd. Bei der zentralen Frage der Finanzierung hat es keine Einigung gegeben. Dennoch sehen Experten Hoffnungsschimmer.
Ohne Einigung über eine weitere Finanzierung des Artenschutzes ist am Samstag die Weltnaturkonferenz in Kolumbien zu Ende gegangen. Die Naturschutzorganisation WWF berichtete, das Treffen in der Stadt Cali sei abrupt unterbrochen worden, weil nicht mehr genügend Delegierte vor Ort waren.
Bei der Konferenz ging es vor allem um die technische Umsetzung des vor zwei Jahren in Montreal beschlossenen Weltnaturvertrages sowie um Finanzierungsfragen. 2022 hatten sich in Montreal rund 200 Staaten unter anderem verpflichtet, mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen.
Mehr als 20.000 Delegierte nahmen in den vergangenen zwei Wochen an den Verhandlungen in Cali teil. Zentrale Themen waren die Finanzierung von Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt sowie geeignete Kontrollmechanismen. Daneben spielten auch genetische Datenbanken eine wichtige Rolle, in denen Informationen über Pflanzen, Tiere und Mikroben gespeichert werden.
Der finanzielle Bedarf, damit artenreiche Gebiete geschützt werden können, wurde in Montreal auf 700 Milliarden Dollar geschätzt. Dabei sollen die Industrieländer, die schon viel von ihrer Natur zerstört haben, die ärmeren Länder unterstützen, ihre intakten Ökosysteme zu erhalten. 500 Milliarden Dollar sollten aus dem Abbau von umweltschädlichen Subventionen kommen. 200 Milliarden Dollar sollten von Industriestaaten und Unternehmen stammen. 20 Milliarden Dollar jährlich sollen die Industrieländer eigentlich ab 2025 an den globalen Süden zahlen.
Keine Einigung gab es in Cali darüber, wie das Geld ausgezahlt und die Verwendung kontrolliert wird. Die Industrieländer hatten einen 1991 errichteten Fonds bevorzugt, die sogenannte Globale Umweltfaszilität (GEF). Doch die Entwicklungsländer forderten einen neuen Fonds.
Laut Kolumbiens Umweltministerin und Gastgeberin Susana Muhamad verständigten sich die Delegierten aber darauf, dass die Pharma- und Kosmetikindustrie, die genetische Daten etwa bei der Herstellung von Medikamenten oder Kosmetika nutzen, künftig 0,1 Prozent ihres Umsatzes oder ein Prozent ihres Gewinns in einen neuen Fonds einzahlen sollen. Allerdings ist die Zahlung freiwillig. Ebenfalls beschlossen wurde die Gründung eines Gremiums, das die Interessen der indigenen Völker vertritt.
Von einem Schritt nach vorn sprach Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne). So sei die Stimme der indigenen Völker gestärkt worden, erklärte sie. Außerdem würden Klima- und Naturschutz künftig besser miteinander verzahnt. Ebenso sei der Weg für eine engere Kooperation von Weltbiodiversitäts- und Weltklimarat und mehr Abstimmung zwischen Natur- und Klimaschutzplänen bereitet worden.
Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Entwicklungsministerium, verwies darauf, dass die Bundesregierung die Biodiversität im Globalen Süden mit weiteren 50 Millionen Euro Entwicklungshilfegeldern gestärkt habe. Gemeinsam mit 40 Millionen Euro aus dem Bundesumweltministerium steige die Unterstützung damit auf 90 Millionen Euro.
Die Umweltschutzorganisation WWF Deutschland sprach von einem durchwachsenen Ergebnis. Einerseits hätten sich 196 Länder erfolgreich darauf einigen können, wie Unternehmensprofite aus der Nutzung genetischer Ressourcen aus der Natur in den globalen Süden fließen sollten. Andererseits seien die Staaten daran gescheitert, die Zukunft des globalen Biodiversitätsfonds zu beschließen.
Florian Titze, Experte für internationale Politik beim WWF Deutschland, lobte, dass Wirtschaftszweige wie die Pharmaindustrie, die Kosmetikindustrie und der Agrar- und Ernährungssektor, die seit Jahrzehnten Milliarden mit der Natur verdienten, durch einen neuen Fonds zu globaler Gerechtigkeit beitragen sollten. Ein Lichtblick in Cali ist nach Einschätzung des WWF außerdem ein Durchbruch für den Schutz biodiversitätsreicher Meeresgebiete.
Die Deutsche Umwelthilfe erklärte, Deutschland wäre in Cali glaubwürdiger aufgetreten, wenn die Bundesregierung eine Nationale Biodiversitätsstrategie vorgelegt hätte, anstatt eines noch nicht vom Kabinett gebilligten Entwurfes der Bundesumweltministerin.