Obwohl Frauen mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland stellen, sind sie bundesweit bei den kommunalen Mandatsträgern mit nur rund 30 Prozent deutlich unterrepräsentiert. In Bayern lag die Frauenquote bei der Kommunalwahl 2020 bei Ämtern und Mandaten sogar unter dem bundesweiten Schnitt. Die Gründe dafür sind vielfältig - doch die meisten davon sind strukturelle Hürden, wie tradierte Rollenbilder, fehlende finanzielle und zeitliche Ressourcen oder auch mangelndes Netzwerken unter Frauen.
Bayernweit gibt es - ohne die Bezirksebene - aktuell 2127 kommunale Amtsträger. Unter diesen finden sich insgesamt 219 Frauen, das sind nur 10,3 Prozent. Am höchsten ist die Quote mit 12,39 Prozent noch bei den ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen, also in den kleinen Gemeinden. Hier stehen 98 Frauen 693 Männern gegenüber. Bei hauptamtlichen Bürgermeistern stellen die Frauen 108 von 1.209 Amtsträgern (8,93 Prozent), bei den Oberbürgermeistern 6 von 54 (11,11 Prozent) und bei den Landräten 7 von 71 (9,86 Prozent).
Bei den kommunalen Mandatsträgern - also den Mitgliedern von Stadt- und Gemeinderäten sowie Kreis- und Bezirkstagen - sieht es ein wenig besser aus. So stellen die Frauen in kleineren Städten und Gemeinden 22,2 Prozent der 31.780 Mandatsträger, in den kreisfreien großen Städten sind es immerhin 33,73 Prozent von 1.172. Unter den 4370 Mitgliedern der Kreistage sind 27,69 Prozent Frauen, bei den Bezirkstagen sind 92 der 238 Mitglieder weiblich (38,66 Prozent), sie verzeichnen damit den höchsten Anteil.
Die häufig geäußerte Vermutung, dass nur mehr Frauen für kommunale Ämter kandidieren müssten, um den Frauenanteil zu steigern, lässt sich durch die Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik nicht belegen. Denn fast bei allen kommunalen Wahlen ist der Anteil der Frauen an allen Kandidierenden prozentual deutlich höher als bei den Gewählten. So lag die Kandidatinnenquote bei der Wahl 2020 über alle Bürgermeister- und Oberbürgermeisterwahlen hinweg im Schnitt bei 22,38 Prozent, bei den Landratswahlen bei 21,48 Prozent.
Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Parteien. Während die Grünen bei Bürgermeister- und Oberbürgermeisterwahlen bei 109 Kandidierenden 47,8 Prozent Frauen ins Rennen schickten, waren es bei der CSU nur 15,26 Prozent von insgesamt 190 Kandidierenden. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Landratswahlen: Insgesamt kandidierten 46 Grüne für den Chefposten in einem Landratsamt, darunter waren 19 Frauen (41,3 Prozent). Bei der CSU waren hingegen nur 5 von 57 Kandidierenden weiblich (8,77 Prozent).
Bei den kommunalen Mandatsträgern ist die Sache etwas differenzierter. Hier werden die Frauen offenbar vor allem in den Großstädten gezielt gewählt. Während die Frauenquote unter allen bayerischen Kandidierenden von Stadt- und Gemeinderäten bei 29,82 Prozent lag, errangen die Frauen in den kreisfreien Städten immerhin 33,73 Prozent der Mandate. Bei den Kreistagswahlen setzen sich im März 2020 von den gut 33 Prozent Frauen unter den Bewerbern hingegen wieder nur 27,69 Prozent durch.
Ob sich das bei der Kommunalwahl am 8. März dieses Jahres ändern wird, ist mehr als ungewiss. Offizielle bayernweite Zahlen zu den Kandidierenden gibt es noch nicht - diese liegen laut Landesamt für Statistik erst wenige Tage vor dem Wahltermin vor. (0305/10.02.2026)