Was mögen die wohl gedacht haben?

UK 30/15, Kirche und Nationalsozialismus (Seite 11: „Graue Busse in den Tod“)
Der Bericht über die Geheimaktion T4 und über die Denkschrift Paul Braunes gegen die Krankenmorde hat das ganze Grauen und die Unfassbarkeit dieser inhumanen Taten noch einmal vor Augen gestellt. Wenn man sich das dazugestellte Foto dazu genauer und länger ansieht, spürt man einen eingefrorenen Totentanz:
Da stehen Menschen beieinander und sind wie versteinert. Manche werden begleitet, berührt. Hier legt einer seinen Arm dem anderen auf die Schulter. Dort sind zwei Gesichter beisammen, als gälte es, noch ein gutes Wort zu sagen; dabei geht die Reise in den Tod.
Mindestens zehn Diakonissen sind darunter. Was mögen sie wohl denken?
Ich habe mir den Bericht Paul Braunes aus meiner Bibliothek geholt und ihn in Ruhe wieder einmal gelesen. Mit welcher Präzision, Ausführlichkeit und Entschiedenheit stellt er die Fakten dar und erhebt Einspruch!
Ich bin froh, dass es mutige Menschen gab, die Widerspruch erhoben und sich nicht scheuten, ihre eigene Integrität aufs Spiel zu setzen. Wenngleich die Innere Mission und die Kirche an sich zu wenig und zu spät reagierten, wie Jochen-Christoph Kaiser sicher zu Recht sagt.
Gewünscht hätte ich mir an dieser Stelle einen Hinweis auf Ernst Wilm (Anm. d. Red.: 1949 - 1968 Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen), der als Gemeindepfarrer in Mennighüffen schon früh über die Aktionen mit Fritz von Bodelschwingh im Gespräch war und wie von Galen auch die Morde öffentlich vor seiner Gemeinde anprangerte. Das allerdings brachte ihm drei Jahre KZ ein. So lebensgefährlich war damals das offene Wort.
Wilfried Diekmann, Gütersloh

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