Menschenrechtler und Exilregierung kritisieren wahllose Luftangriffe der Armee Myanmars auf Zivilisten - insbesondere auf Schulen. Das Militär missachte das Leben unschuldiger Kinder und begehe brutale Kriegsverbrechen.
In Myanmar sind bei einem Luftangriff auf eine Schule im Bundesstaat Kayah laut Angaben einer Menschenrechtsgruppe vier Kinder getötet und 15 weitere verletzt worden. Wie der asiatische Pressedienst Ucanews am Mittwoch berichtete, fand der Angriff der Militärjunta auf die Daw Saw Ei-Schule in der Gemeinde Demoso am Montag statt. Die in Thailand ansässige Menschenrechtsgruppe KHRG prangerte an, "dass das Militär das Leben unschuldiger Kinder missachtet". Medien, die der Junta nahestehen, bestritten den Angriff auf Demoso.
Nach Angaben der Menschenrechtler wurden auch eine Dorfkirche und fünf Häuser beschädigt, zudem habe es im drei Kilometer entfernten Nachbardorf Bombenangriffe gegeben. Bei letzteren sei eine Person gestorben, sieben weitere wurden verletzt, darunter fünf Kinder.
In einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung von Myanmars im Exil lebender Regierung der Nationalen Einheit heißt es, seit dem Sturz der Zivilregierung von Aung San Suu Kyi im Februar 2021 seien mindestens 52 Schulen Luftangriffen ausgesetzt und 199 Schulen aus anderen Gründen beschädigt worden. "Angriffe auf Schulen und religiöse Gebäude sowie das Töten von Kindern sind unmenschliche Taten." Das myanmarische Militär begehe "ein brutales Kriegsverbrechen".
Der östliche Bundesstaat Kayah, in dem 46 Prozent der 350.000 Einwohner Christen sind, ist Hauptschauplatz der Kämpfe zwischen dem Militär und ethnischen Rebellengruppen, wobei sich auch Christen den neu entstandenen Volksverteidigungskräften angeschlossen haben.
Der Bürgerkrieg hat drastische Folgen für die Zivilbevölkerung: Mehr als 40.000 der 50.000 Bewohner der Hauptstadt Loikaw sind aufgrund von Luftangriffen und Artilleriebeschuss der Junta aus ihren Häusern geflohen, nachdem Rebellen im November die strategisch wichtige Stadt erobert hatten. Rund 250.000 Vertriebene sind in 200 Lagern untergebracht, davon 80.000 in von der katholischen Kirche geführten Flüchtlingscamps. Insgesamt machen Christen knapp 6 Prozent der 54 Millionen Einwohner im mehrheitlich buddhistischen Myanmar aus.
Am Montag hatten neun Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, darunter Großbritannien und die USA, in einer nichtöffentlichen Sitzung zur Myanmar-Krise die Luftangriffe des myanmarischen Militärs gegen Zivilisten verurteilt.