Verstümmelt an Leib und Seele

Frauenbeschneidung ist eine qualvolle Tradition. Rund 150 Millionen Frauen und Mädchen weltweit leben mit einer verstümmelten Klitoris. Das „Desert Flower Center Waldfriede“ in Berlin widmet sich als erstes Krankenhaus der umfassenden Hilfe für Betroffene. Monika Herrmann sprach mit der Chirurgin Cornelia Strunz und dem Geschäftsführer des Krankenhauses, Bernd Quoß.

Die Fragen stellte Monika HerrmannHerr Quoß, wie kam es zu Ihrem Entschluss, das „Desert Flower Center“ aufzubauen? Bernd Quoß: Mit der Planung haben wir schon 2009 begonnen. Wir haben im Vorfeld Länder besucht, in denen kleine Mädchen verstümmelt werden. Sie leiden lebenslang an den Folgen. Wir nahmen Kontakt auf zu Waris Dirie, der Autorin des Buches „Wüstenblume“. Sie ist selbst Opfer der Genitalverstümmelung und kümmert sich um andere betroffene Frauen. Mit ihr zusammen beschlossen wir, diesen Frauen im Krankenhaus Waldfriede medizinisch zu helfen. So wurde das Projekt langsam konkret und am 11. September 2013 konnten wir das Center eröffnen.Damit betraten Sie auch medizinisches Neuland. Cornelia Strunz: Natürlich. Unser Chefarzt Roland Scherer hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die ärztliche Koordination und die Sprechstunde für die Frauen zu übernehmen. Ich hab nicht lange überlegt und bin froh darüber, dass ich „Ja“ gesagt habe. Ich habe den Erstkontakt zu den Frauen. Sie können mich direkt anrufen. Niemand ist zwischengeschaltet. Ich merke dann, wie dringlich die Frauen ein Gespräch wünschen, ob sie selbstbewusst sind oder eher verunsichert. Dann versuche ich ihnen die Angst zu nehmen, biete einen Termin an. Die Patientinnen kommen dann hierher und stellen sich vor. Woher kommen die Frauen?Strunz: Das ist ganz unterschiedlich. Die ersten beiden Frauen, die hier operiert wurden, leben gar nicht in Berlin. Die eine lebt im afrikanischen Dschibuti. Sie kam zu uns, ist hier behandelt worden und wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Zur Nachuntersuchung kam sie dann noch einmal und sie hält auch weiter den Kontakt. Eine andere Patientin wohnt in Danzig, aber die meisten Patientinnen, die hier behandelt werden, leben in Deutschland. (...)

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