Ein zehnjähriger Junge schickt einen Doppelgänger an seiner statt in die Schule. Starker Genremix aus Familien-Drama, Komödie und Fantasy-Abenteuer.
In Zusammenarbeit mit filmdienst.de und der Katholischen Filmkommission gibt die KNA Tipps zu besonderen TV-Filmen:
Der zehnjährige Frido (Luis Vorbach) will sich in der Schule nicht anstrengen und erschafft mit Hilfe eines magischen Spiegels einen Doppelgänger, der für ihn alle leidigen Pflichten erledigt. Doch als der Klon immer dreister eigene Ansprüche stellt, droht der Spuk aufzufliegen.
Der furiose Genre-Mix von 2019 aus einfühlsamem Familiendrama, pfiffiger Komödie und absurdem Fantasy-Abenteuer thematisiert Notendruck und Überforderung und plädiert für spielerisches Lernen und eine Abkehr vom Leistungsdruck. Eine glänzend gespielte und lustvoll inszenierte Ode von Marcus H. Rosenmüller aufs (analoge) Leben.
Seit der Komödie "Wer früher stirbt, ist länger tot" gilt Marcus H. Rosenmüller als virtuoser Realisator eines etwas anderen Heimatfilms bajuwarischer Prägung. Doch dieses Image will der Regisseur inzwischen auch gerne abschütteln. Und mit Filmen wie "Trautmann" über den gleichnamigen deutschen Torwart, der in den Nachkriegsjahren bei Manchester City Karriere machte, und diesem Kinder- und Jugendfilm ist ihm das auch durchaus gelungen.
Zu diesem Genre besitzt Rosenmüller ohnehin eine besondere Affinität: Er hat nicht nur den an Yves Roberts Klassiker "Krieg der Knöpfe" erinnernden Film "Die Perlmutterfarbe" inszeniert. Auch die "Rico, Oskar..."-Trilogie und "Mein Lotta-Leben - Alles Bingo mit Flamingo" gehen auf das Konto der von Rosenmüller mitbegründeten Produktionsfirma "Lieblingsfilm".
In "Unheimlich perfekte Freunde" geht es um ein Kind in der vierten Klasse, das die passenden Noten für den Übertritt aufs Gymnasium nach Hause bringen soll. Doch Frido (Luis Vorbach) scheut den (Lern-)Einsatz und sucht nach dem einfachsten, mühelosesten Weg. Da kommt ihm der Zufall in Gestalt eines Zauberspiegels auf dem Jahrmarkt zu Hilfe, mit dem man einen Doppelgänger klonen kann.
Frido 2 gleicht dem Original aufs Haar, nur, dass er tolle Manieren hat, gerne Hausaufgaben macht und lauter gute Noten schreibt. Frido findet das großartig, kann er jetzt doch voll und ganz nach dem Spaßprinzip leben. Doch als die Kopie immer dreister eigene Ansprüche anmeldet und der ganze Zauber aufzufliegen droht, gerät der Zehnjährige mehr und mehr in die Bredouille.
Rosenmüller vollführt hier das seltene Kunststück, eine pädagogisch tiefschürfende Problematik mit den Mitteln des Unterhaltungskinos auf spielerische leichte Art in einen furiosen Genre-Mix aus einfühlsamem Familiendrama, pfiffiger Comedy und absurdem Fantasy-Abenteuer zu verwandeln. Während Fridos Konflikt mit seiner jungen Mutter Gesa (Marie Leuenberger) und der Pakt mit dem teuflischen Doppelgänger wie eine moderne "Faust"-Variante daherkommen und für die dramatischen Momente sorgen, steht der magische Spiegel für den fantastischen Part.
Besonders viel Wert legt Rosenmüller auf den dritten, komödiantischen Aspekt. Dieser funktioniert über den klugen, zeitgemäßen Wortwitz, den die talentierten Drehbuch-Autorinnen Simone Höft und Nora Lämmermann im Skript verankert haben. Zugleich spielt der Regisseur seinen schrägen Anarcho-Humor aus, wenn eine biedere Schulveranstaltung aus dem Ruder läuft oder eine Tortenschlacht in bester "Stan & Ollie"-Manier endet.
Ein großes Glück bedeutet auch die Besetzung der Hauptrollen: Luis Vorbach, der sich schon in "Auf Augenhöhe" (2016) erstaunlich reif präsentierte, meistert die diffizile Doppelrolle phänomenal und trifft auch die feinen Nuancen der konträren Charaktere perfekt. Als sein Widerpart glänzt Margarita Broich als leicht verhuschte Lehrerin Frau Klawitter, die ihre Strenge stets in etwas Liebevolles zu verpacken weiß.
Auch tricktechnisch sind insbesondere die Doppelgänger-Szenen sehr sauber umgesetzt. Die Ode auf das (analoge) Leben ohne Leistungsdruck, aber mit viel Vergnügen und einem spielerischen Lernen entstand im Rahmen der Initiative "Der besondere Kinderfilm". Damit werden vor allem Werke gefördert, die nicht auf etablierten Marken oder Bestseller-Romanen basieren, sondern auf Originalstoffen. Schön, dass es so eine Einrichtung gibt.