Umfrage: Einsamkeit bei Gesprächen in Beratungsstellen großes Thema

Einsamkeit ist laut einer Umfrage bei etwa zwei Drittel aller Gespräche in Beratungsstellen und Hilfeeinrichtungen von Diakonie und Caritas in Baden-Württemberg ein Thema. Auffallend sei, dass mit Einsamkeit häufig das Gefühl der Scham einhergehe, sagte die Freiburger Diözesan-Caritasdirektorin Birgit Schaer am Donnerstag bei einem Online-Pressegespräch. „Einsamkeit ist immer noch etwas, über das man nicht spricht.“ An der Umfrage haben sich 310 Beraterinnen und Berater aus ganz Baden-Württemberg beteiligt - von der Allgemeinen Sozialberatung bis zur Schuldner- und Schwangerenberatung. Die Umfrage wurde von Januar bis März 2025 durchgeführt und bezog sich auf das Jahr 2024.

So geht es der Umfrage zufolge fast immer (bei 83 Prozent) in der Beratung um andere Probleme, bevor das Gefühl der Einsamkeit angesprochen wird. Und in 13 Prozent der Fälle wird Einsamkeit nur dann thematisiert, wenn gezielt bei der ratsuchenden Person nachgefragt wird. Zwei Drittel der Klientinnen und Klienten schildern „Einsamkeit als tief sitzende Gemütslage, die schon länger als ein Jahr andauert“.

Bestimmte Lebenslagen und Lebensphasen begünstigten Einsamkeit, etwa körperliche und auch psychische Erkrankungen oder Behinderungen, die zu sozialer Isolation führen können, ebenso wie Armut beziehungsweise Überschuldung. Zudem erlebten ältere Menschen, die einen Partner verloren haben oder zunehmend körperlich eingeschränkt sind, verstärkt Einsamkeit, so Schaer. Auch Migranten und Flüchtlinge, die oft wenige Kontakte haben oder Personen, die sich um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern, seien häufiger von Einsamkeit betroffen.

Die Chefin der württembergischen Diakonie, Annette Noller (Stuttgart), sagte, dass Einsamkeit ein Phänomen sei, das viele Gefährdungen mit sich bringe. So hätten Kinder, die einsam sind, weniger Zugang zu Bildung und schlechtere Schulabschlüsse und es käme bei Einsamkeit vermehrt zu Suchterkrankungen, aber auch zu Gewalt, da es kein Korrektiv durch andere Menschen mehr gebe. Die Umfrage mache auch deutlich, dass Caritas und Diakonie mit ihren verschiedenen Beratungsstellen helfen können, erste wichtige Schritte zu gehen, um die Einsamkeit zu durchbrechen.

Sie warnte vor drohenden Kürzungen bei sozialen Leistungen, wie sie von der Bundesregierung angekündigt wurden. Es dürfe keinen massiven Abbau von sozialen Leistungen geben. „Dann können wir in stürmischen Zeiten Halt geben und Brückenbauer in die Zukunft sein.“

Dass Einsamkeit kein Randphänomen ist, belegen auch die Daten des sozio-ökonomischen Panels aus dem Jahr 2021: Hier wurde bei 11,3 Prozent der Gesamtbevölkerung ab 18 Jahren in Deutschland eine erhöhte Einsamkeitsbelastung festgestellt. Sie waren also häufiger als manchmal einsam. (1053/08.05.2025)

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