Viele Menschen möchten sich selbst besser verstehen. Dafür kann aus Sicht einer Psychotherapeutin ein Lebensrückblick hilfreich sein. Sie hat einige Hinweise zu einem sinnvollen Vorgehen.
In der Rückschau lässt sich viel über das eigene Leben und die eigene Person lernen: Daher gibt eine Psychotherapeutin Tipps zum Verfassen eines "Lebensbuchs". Dies könne aus einem Text, aber auch aus Zeichnungen oder einer Mischung von Fotos und Texten bestehen, sagte Barbara Rabaioli-Fischer der Zeitschrift "Psychologie Heute" (Juni-Ausgabe). Solche Biografiearbeit könne Aufschluss zu Themen geben, die einen aktuell beschäftigten - etwa, warum man einen bestimmten Kollegen nicht leiden könne.
Wer emotional wenig stabil sei, dem rate sie zu geführter Biografiearbeit, sagte die Expertin. Ansonsten könne man sich ein altes Fotoalbum oder Tagebuch vornehmen und notieren, welche Gedanken einem dazu heute durch den Kopf gingen. "Mit der Zeit können Sie aus diesen Notizen und Beobachtungen so etwas wie Ihr eigenes Lebensbuch schreiben." Dies funktioniere oft gut - "und vor allem: Es macht Spaß."
Rückblickend entdeckten viele Menschen Dinge, die ihnen nicht mehr präsent gewesen seien, erklärte Rabaioli-Fischer. Gezielt könne man sich beispielsweise fragen, was man auf diesen Bildern entdecken wolle, welche Bezugspersonen sie zeigten und welche Vorstellungen diese damals von einem hatten. Sinnvoll seien auch Überlegungen zu Ressourcen wie: "Was konnte dieser kleine Junge denn schon alles?"
Es gehe nicht darum, "nostalgischen Erinnerungen nachzuhängen, sondern mehr Transparenz und Klarheit über sich als Person zu bekommen. Dadurch kann man seine heutigen Handlungen besser verstehen und auch besser entscheiden, wie man in Zukunft sein oder handeln möchte", erklärte die Autorin eines Handbuchs über biografisches Arbeiten. Das "Abtauchen" in die alten Quellen sollte man daher begrenzen und einen Wecker auf 30 Minuten stellen - nach dieser Zeitspanne lasse die Konzentration nach.
Sie empfehle zudem, die entstandene Geschichte mit unterschiedlichen Menschen zu besprechen, die einem wohlgesonnen seien. Freunde oder Eltern könnten neue Anregungen geben, so Rabaioli-Fischer. Wenn jemand entdecke, dass etwa bestimmte Aussprüche aus der Vergangenheit bis heute eine schwere Belastung seien, könne darüber hinaus eine Therapie in Frage kommen.