Bodenuntersuchunten im Bereich der Ruine des ehemaligen Neuen Israelitischen Tempels an der Poolstraße in Hamburg haben erste Ergebnisse zu Tage gebracht. Diese lieferten Hinweise, an welchen Stellen archäologische Ausgrabungen stattfinden sollten, informierten Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) und Projektbeteiligte am Donnerstag. Ab März soll zunächst Schutt abgetragen werden. Partielle Entsiegelungen und erste archäologische Schürfungen seien ab Juni geplant. Ab November stehe eine großflächigere Entsiegelung mit weiteren Schürfungen und der Sicherung von Funden an.
„Die Tempelruine in der Poolstraße ist ein einzigartiges Zeugnis jüdischen Lebens und liberal jüdischer Religionsgeschichte in Hamburg“, sagte Dressel. „Ab Ende 2027 werden wir final wissen, welche archäologischen und historischen Rahmenbedingungen uns die Tempelruine gibt und welche weiteren Nutzungen konkret möglich sind.“
Durch das Georadar konnten laut Projektbeteiligten unter anderem Verdachtsbereiche auf Fundamentreste im Untergrund ausfindig gemacht werden, etwa eine Treppenstruktur vor der Apsis. Die Laserscanaufnahmen hätten Bereiche hinter Wänden und unter Böden offenbart, in denen bauzeitliche Putze und Bodenbeläge vorhanden sein könnten.
1844 wurde in der heutigen Poolstraße 12 der erste Tempel einer eigenständigen jüdischen Gemeinde des damals noch jungen liberalen Judentums in Deutschland eingeweiht. Der Tempel wurde nach Angaben von Dressels Behörde bis 1931 für Gottesdienste genutzt und 1937 verkauft. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude durch eine Fliegerbombe weitgehend zerstört.
2020 erwarb der zur Finanzbehörde gehörende Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen ein Teilgrundstück mit den Überresten des Tempels. Ziel war es, das Kulturdenkmal dauerhaft zu sichern und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die unter Denkmalschutz stehenden baulichen Reste sollen mit einer Zukunftsperspektive entwickelt werden und als jüdisches Kulturdenkmal und Erinnerungsort erhalten bleiben.