Die Friedrich-Schiller-Universität Jena widmet dem Talar als universitärer Amtskleidung ab Mittwoch eine fotografische Sonderausstellung. Dafür habe die Fotografin Carlotta Wegener Professorinnen und Professoren der Universität Jena im Ornat fotografiert, teilte die Hochschule am Montag mit. Ihre Arbeiten thematisierten das Verhältnis von Tradition und Moderne, die kommunikative Funktion von Kleidung und Aspekte des universitären Alltags.
Talare seien als Amtskleidung aus Kirche, Gerichten und Universitäten bekannt und als Zeichen von Machtausübung nicht selten umstritten. Die 68er-Bewegung habe in Westdeutschland „Unter den Talaren - Muff von tausend Jahren“ skandiert und die traditionellen Gewänder der Professoren als Sinnbilder für die fehlende Aufarbeitung der NS-Geschichte abgelehnt. Fast zeitgleich sei das Ritual des Talar-Tragens in der DDR weitgehend aufgegeben worden. Nach der Wende tauchten die Talare auch an der Universität Jena als Zeichen der Autonomie und Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre wieder auf.
Diesen Zwiespalt und weitere Fragen beleuchte die Ausstellung „Hat das Zukunft oder kann das weg? Zur Jenaer Talartradition“. Ergänzend zu den Fotos seien Interviews mit den Porträtierten geführt worden. Darin ließen sich die persönlichen Gedanken und Positionen zum Ritual des Talar-Tragens nachlesen.
Die Fotoschau wurde von der Thüringer Universitätsbibliothek sowie der Bauhaus-Universität Weimar unterstützt. Carlotta Wegener studiert an der Bauhaus-Universität in Weimar visuelle Kommunikation sowie Fotografie an der Universität Wien.