Studie: “Wahre Kosten” des Kaffeeanbaus deutlich höher

Ein Blick ins Supermarktregal reicht, um festzustellen: Kaffee wird immer teurer. Doch darin eingerechnet sind weder Umwelt- noch soziale Kosten des Anbaus. Eine neue Studie gibt Aufschluss über diese "wahren Kosten".

Berücksichtigt man die "wahren Kosten" des Kaffeeanbaus, müsste das Kilogramm Kaffee laut einer neuen Studie bis zu 8,82 US-Dollar teurer sein. Dabei spielen Qualität des Produkts, Art der Produktion, Herkunft und Preisgestaltung eine entscheidende Rolle, wie aus der am Mittwoch vorgestellten Untersuchung der True Cost Alliance hervorgeht. Veröffentlicht werden soll die laut Angaben der Autoren erste Studie, die transparent soziale Kosten des Kaffeeanbaus berechnet, in der nächsten Woche. Die True Cost Alliance ist ein Netzwerk, dem der Think Tank for Sustainability, das katholische Hilfswerk Misereor und die Technische Hochschule Nürnberg angehören.

Während die Forscher die Umweltkosten für vier untersuchte Kaffeesorten pauschal mit 7,22 Dollar pro Kilogramm angeben, variieren die niedrigeren sozialen Kosten stärker. Bei der Sorte Arabica aus Honduras liegen sie den Berechnungen zufolge bei 0,45 Dollar pro Kilogramm, bei der gleichen Sorte aus Uganda hingegen bei 1,60 Dollar pro Kilogramm. Zusammengerechnet kommen die Studienautoren somit zu externen, also bisher nicht im Preis berücksichtigten Kosten von 7,67 bis 8,82 Dollar pro Kilogramm Kaffee.

Als möglichen Grund für die deutlichen Unterschiede zwischen Honduras und Uganda nennt die Studie das höhere Preisniveau für Kaffee aus Honduras. Dieses und stabilere Rahmenbedingungen hätten messbare Effekte.

In der Analyse wurden 20 soziale Indikatoren berücksichtigt, eingeteilt in Kategorien wie Arbeitsrecht und Gesundheit. Wird Kaffee jetzt teurer? "Der Kaffee wird teurer werden, aber nicht durch True Costs", sagte der Misereor-Referent für Politik und zentrale Zukunftsfragen, Wilfried Wunden. Seine Hoffnung sei, dass der Kaffee günstiger werde, der fair und umweltschonend angebaut wird.

Dazu schlagen die Studienmacher vor, die Gewinn- und Verlustrechnung von Unternehmen um "wahre Kosten" zu ergänzen. Negative Auswirkungen würden dabei ergebnis- und eigenkapitalmindernd, positive Beiträge wie Renaturierung oder Aufstockung von Löhnen, ergebnissteigernd berücksichtigt. Ein zweites vorgeschlagenes Werkzeug sind Rückstellungen für Nachhaltigkeitsrisiken wie Landkonflikte oder eine systematische Unterbezahlung. Diese Rückstellungen würden "die langfristigen Kosten von kurzfristigen Gewinnstrategien sichtbar machen".

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