Die Kindernothilfe fordert dringend mehr Unterstützung für minderjährige Opfer sexualisierter Gewalt in der Ukraine. Patriarchale Strukturen, Stigmatisierung, fehlende Aufklärung und beschwerliche Ermittlungs- und Strafverfahren trügen dazu bei, dass Übergriffe häufig nicht angezeigt würden, heißt es in einer Studie der christlichen Hilfsorganisation über sexualisierte Gewalt gegen Kinder in der Ukraine. Der Krieg erschwere den Zugang zu Hilfsangeboten. Außerdem werde sexualisierte Gewalt offenbar als Kriegstaktik eingesetzt.
Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft hat laut Studie 2023 insgesamt mehr als 900 Fälle sexualisierter Gewalt gegen Kinder registriert. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 wurden bei der Behörde überdies 13 Fälle von „konfliktbezogener sexualisierter Gewalt“ gegen Kinder durch russische Soldaten dokumentiert. Diese „barbarische“ Form von Gewalt als Kriegstaktik anzuwenden, sei „zutiefst abstoßend und unerträglich“, sagte Kindernothilfe-Vorstand Carsten Montag. „Die Täter müssen dafür zur Rechenschaft gezogen werden.“ Man gehe von einer extrem hohen Dunkelziffer aus, weil Daten aus den ukrainischen Provinzen nahe der Kriegsfront sowie aus den russisch besetzten Gebieten fehlten. Das wahre Ausmaß der Problematik werde wahrscheinlich erst in den kommenden Jahren bekannt werden.
