Nachrichten in leichter und einfacher Sprache sind einer Studie zufolge für einen großen Teil der Menschen in Deutschland zentral für deren gesellschaftliche Teilhabe. Um diese zu ermöglichen, empfiehlt ein am Mittwoch in Frankfurt am Main veröffentlichtes Arbeitspapier der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung unter anderem, solche Angebote in engem Austausch mit der Zielgruppe zu erstellen und deutlich leichter auffindbar zu machen. Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.
Die Autorinnen und Autoren verweisen darauf, dass rund zwölf Prozent der Menschen zwischen 18 und 64 Jahren in Deutschland über eine eingeschränkte Literalität verfügen, weil sie Lernschwächen haben, unter vorübergehenden oder dauerhaften Behinderungen oder Krankheiten leiden oder gerade erst Deutsch lernen. Leichte Sprache ist eine barrierearme Sprachform, die sich insbesondere an diese Zielgruppe richtet. Sie folgt strengen Regeln und nutzt kurze Sätze und einfache Wörter.
Für die Studie führten die Forscher 28 qualitative Interviews mit Personen mit eingeschränkter Literalität. Herausgearbeitet wurden Nutzungsmuster und -motive sowie Bedürfnisse und Wünsche an das Angebot. Die Befragten seien besonders interessiert gewesen an Themen aus dem eigenen Erfahrungsbereich oder mit räumlicher Nähe, also regionaler und lokaler Berichterstattung. Die Autorinnen und Autoren schreiben: „Das unterstreicht noch einmal, wie zentral lokaler Journalismus für eine demokratische Gesellschaft ist.“ Dessen Rückbau gefährde die Integration und Inklusion vieler gesellschaftlicher Gruppen.
Bedeutsam für die Zielgruppen sei zudem ein am Service orientierter Journalismus. So sei mehrfach Interesse an vertieften Erklärungen zu politischen Wahlen geäußert worden, sowohl was den konkreten Umgang mit den Wahlunterlagen betrifft als auch zu den allgemeineren Abläufen einer Wahl. Erläuterungen zu für die Zielgruppen wichtigen juristischen Entscheidungen und Vorgängen seien ebenso gewünscht wie alltagspraktische Erläuterungen, etwa zu den Folgen eines Streiks für den Nahverkehr, die für Menschen mit Einschränkungen oft eine besondere Herausforderung darstellten. (2974/17.09.2025)