Stiller Soundtüftler – David Gilmour wird 80

Ex-Gitarrist von "Pink Floyd" galt als musikalisches Herz der Band

Er tüftelt lieber im Heimstudio auf seinem Hausboot „Astoria“ an der Themse an neuen Songs, als sich über die Vergangenheit aufzuregen. Zu lange hatte sich David Gilmour in einem Streit mit dem Sänger und Bassisten Roger Waters aufgerieben, der letztlich die britische Kultband „Pink Floyd“ zerriss. Heute genießt der Gitarrist sein Leben als Künstler jenseits von „Pink Floyd“: 2024 veröffentlichte er sein fünftes Soloalbum „Luck and Strange“, mit einer jungen Band tourt er um die Welt. Am 6. März wird Gilmour, einer der einflussreichsten Gitarristen der Rockmusik, 80 Jahre alt.

Er scheint sich befreit zu haben aus den Nachwehen eines Machtkampfes, der kaum ein vergleichbares Beispiel in der Geschichte der Rockmusik findet. Der stille Gitarrist, der als Sohn eines Genetik-Professors in Cambridge geboren wurde, galt als das „musikalische Herz“ von „Pink Floyd“. Die 1965 gegründete Band prägte die progressive Rockmusik mit Konzeptalben wie „The Dark Side of the Moon (1973), “Wish You Were Here„ (1975) und “The Wall„ (1979). Sein kreativer Gegenpol war Roger Waters (82), der als “Hirn" der Band die lyrischen und meist gesellschaftskritischen Texte schrieb und immer mehr die Kontrolle an sich zog.

David Gilmour stand 2023 auf Platz 28 der Liste der 250 besten Gitarristen des Musikmagazins „Rolling Stone“. 1968 stieg er als Nachfolger des psychisch erkrankten Sängers und Gitarristen Syd Barrett bei „Pink Floyd“ ein. Mit seinem unverwechselbaren Stil gab er den sphärischen Soundkollagen aus Synthesizerklängen und Geräuscheinspielungen mit Stimmen oder Maschinengeräuschen eine emotionale Tiefe.

Gilmour ist gewiss kein Virtuose auf dem Griffbrett. Tief verwurzelt im Blues erzeugt der mittlerweile kahlköpfige und weißbärtige Musiker mit nur wenigen Tönen melodische, träumerisch schwebende Klänge. Mit dem Einsatz von Soundeffekten wie Hall und Echo spielt Gilmour auf seiner Fender Stratocaster-E-Gitarre überwiegend langgezogene Soli, etwa in den Stücken „Comfortably Numb“, „Time“, „Money“ oder „Another Brick in the Wall“.

„Die Finger sind nicht schnell, aber ich denke, ich bin sofort erkennbar“, sagte der Musiker, der Vater von acht Kindern ist, 2025 in einem seiner wenigen Interviews. In den Hoch-Zeiten von „Pink Floyd“ in den 1970er Jahren galt Gilmour vielen Fans wegen seiner ruhigen und uneitlen Art als Sympathieträger der Band. Mitte der 1960er Jahre reiste er mit seiner ersten Band „Jokers Wild“ nach Paris, traf dort auch die Film-Legende Brigitte Bardot. Bei zwei Songs ihres Films „À cœur joie“ („Zwei Wochen im September“) von 1967 sang er mit.

In einem Interview räumte Roger Waters 2023 ein, immer neidisch auf Gilmour gewesen zu sein. Alle hätten den charismatischen Gitarristen geliebt. Seinen Texten über die Folgen des Lebens in einer Massengesellschaft wie Unterdrückung, Vereinzelung und psychischer Krankheit habe aber kaum jemand zugehört, klagte Waters.

„Pink Floyd“ waren berühmt für ihre Konzerte mit riesigen Soundanlagen und ausgeklügelten Licht- und Lasershows. Das Album „The Dark Side of the Moon“ verkaufte sich mehr als 50 Millionen Mal, es gilt als eines der wichtigsten der Rockmusik.

Beim maßgeblich von Waters inspirierten Konzeptalbum „The Wall“ waren Gilmour, der Schlagzeuger Nick Mason und der 2008 gestorbene Keyboarder Richard Wright nur noch Statisten. 1985 stieg Waters bei „Pink Floyd“ aus und versuchte erfolglos, sich die kommerziellen Rechte zu sichern. Gilmour führte die Band weiter, als Produzent entdeckte er die britische Sängerin Kate Bush. 2005 kamen alle vier Musiker noch einmal in London beim „Live 8“-Benefizkonzert zusammen, das um Hilfe für die ärmsten afrikanischen Länder warb.

Noch immer sind Gilmour und Waters mit eigenen Formationen unterwegs. Doch kommt das Publikum vor allem, um die alten „Pink Floyd“-Stücke zu hören. Titel wie „Wish You Were Here“, eine Hommage an seinen Vorgänger Syd Barrett, würde er am liebsten nicht mehr spielen, gestand Gilmour 2025 bei der Vorstellung seines Konzertfilms „Live at the Circus Maximus, Rome“.

Einen Höhepunkt erreichte der auch öffentlich ausgetragene Schlagabtausch zwischen Gilmour und Waters im Jahr 2023. Gilmours zweite Ehefrau, die Autorin Polly Samson, kritisierte Waters wegen dessen Unterstützung für die anti-israelische Boykott-Kampagne BDS als Antisemiten und außerdem als größenwahnsinnigen „Putin-Versteher“.

2024 verkaufte „Pink Floyd“ seine Musikrechte für rund 400 Millionen US-Dollar an das US-Unternehmen Sony Music. „Für mich nahm die Verantwortung, unser Vermächtnis zu bewahren, zu viel Platz ein“, sagte David Gilmour in einem Interview: „Ich konnte mich deshalb nicht darauf konzentrieren, Künstler zu sein.“

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