"In der Sternenküche zu arbeiten, ist wie Hochleistungssport", sagt Tohru Nakamura. Warum es dennoch seine Leidenschaft ist und ein dritter Stern schön wäre.
Tohru Nakamura (41), Münchner Zwei-Sterne-Koch, lässt sich für neue Kreationen von der Jahreszeit oder der Stimmung in der Stadt anregen. "Ein Komponist kann seine Musik im Kopf hören, ich kann mir Geschmäcker vorstellen", sagte Nakamura der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstag). Beim Gedanken an Spargel habe er sofort mehrere Aromen auf der Zunge wie grün, weiß, gebraten oder gekocht. Damit könne er dann Lego im Kopf spielen und überlegen, welche Bausteine zusammenpassten. "Manche Köche fühlen sich von einem Bild von Monet inspiriert, ich öffne meine Aromenschublade im Kopf und vertraue meinem Bauchgefühl."
Der Weg zu seinen zwei Michelin-Sternen sei steinig gewesen, gab der Star-Koch zu. Einige Kolleginnen und Kollegen von ihm hätten aufgegeben, weil es ihnen zu heftig gewesen sei. "In der Sterneküche zu arbeiten ist wie Hochleistungssport. Wenn ein Athlet bei Olympia dabei sein will, muss er jeden Tag hart trainieren, da ist nicht viel mit Ausschlafen und Freizeit." Dennoch habe er die viele Arbeit nicht als Entbehrung empfunden, so Nakamura. Talent allein reiche aber nicht, man müsse diese Leidenschaft in sich tragen, um durchzuhalten.
Noch einen dritten Stern zu bekommen, wäre schön, erklärte der Spitzenkoch. "Aber für mich ist das kein wirkliches Ziel im Sinne von 'dann ist das Ende erreicht'." Denn es sei ja nicht so wie beim Marathonlauf, dass man ankommen und sich ausruhen könne. Einen Stern könne man jederzeit wieder verlieren. "Man muss immer alles geben, um vorne mit dabei zu bleiben. Das versuchen wir tagtäglich zu tun."
Nakamura hat eine deutsche Mutter und einen japanischen Vater. Seine Ausbildung zum Koch begann er den Angaben nach im Münchner Hotel Königshof, nach mehreren Stationen wurde er Küchenchef des Werneckhofs und 2020 von Gault-Millau zum Koch des Jahres gewählt. Im Dezember 2021 eröffnete er sein eigenes Restaurant "Tohru in der Schreiberei" in der Münchner Innenstadt.