Sprecherin Nancy Janz tritt zurück: Zwischen allen Fronten

Die Sprecherin der Betroffenen von sexualisierter Gewalt, Nancy Janz, tritt zurück. Ihr Schritt ist ein Weckruf, taugt aber nicht für pauschale Kritik an der Kirche. Ein Kommentar.
Sprecherin Nancy Janz tritt zurück: Zwischen allen Fronten
Nancy Janz tritt als Sprecherin der Betroffenen sexualisierter Gewalt zurück (Archiv)
Imagp / epd-bild
Ein Schock. Und zwar nicht nur für diejenigen, die die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche verfolgen: Nancy Janz gibt ihr Sprecheramt im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt der Evangelischen Kirche in Deutschland ab. Viele fragen sich: Wenn selbst sie das Handtuch wirft – wie soll es jetzt weitergehen? Das ist brisant. Wenn eine so loyale, sachliche und integre Vertreterin aussteigt, zeigt das, wie hoch der Druck inzwischen ist – und wie wackelig die evangelische Aufarbeitung noch immer steht. Als Sprecherin der Betroffenenvertretung vermittelte Nancy Janz zwischen Betroffenen, EKD und Diakonie, arbeitete an Beschlüssen mit und gab der Aufarbeitung auf höchster Ebene eine verlässliche Stimme.

Missbrauch: Betroffenen ging vieles zu langsam

Dieser Druck kam von zwei Seiten. Von kirchlicher Seite, weil Beschlüsse und Selbstverpflichtungen oft steckenblieben, Landeskirchen ausscherten, Verfahren verzögert wurden. Und von der Seite der Betroffenen, denen vieles zu vorsichtig, zu langsam, zu kompromissbereit erschien. Wer zwischen Institution und Betroffenen steht, gerät in dieser Spannung leicht ins Mahlen der Kräfte. Für Nancy Janz muss das besonders schwer gewesen sein: tief mit der Kirche verbunden, zugleich selbst betroffen und nah am Leid derjenigen, deren Stimme sie sein wollte. Dazu im Herbst der Rückzug ihres Mitsprechers Detlev Zander – Verantwortung und Erwartungen lasteten seitdem auf ihr allein. Ihr Rücktritt taugt nicht für eine pauschale Schelte gegen „die Kirche“. Aber er mahnt sie an das, was sie versprochen hat: konsequente Aufarbeitung, verlässliche Anerkennung, echte Beteiligung von Betroffenen. Vieles ist auf den Weg gebracht – doch dieser Weg darf nicht ausgebremst werden, weil Geld fehlt oder andere Themen drängeln.
Mann im grünen Hemd und mit grauen Haaren lehnt auf einem Holztisch, Backsteinwand im Hintergrund
Unser Autor Gerd-Matthias Hoeffchen - UK
Der Rücktritt von Nancy Janz ist kein Bruch mit der Kirche. Er ist ein Weckruf an ihre Leitung: Betroffene ernst zu nehmen heißt, ihnen nicht nur zuzuhören, sondern Verantwortung personell, strukturell und finanziell auf mehrere Schultern zu verteilen – damit einzelne daran nicht zerbrechen.
Timo.TeggatzT
Ein Beitrag von:

Timo.Teggatz

Schrieb schon als Schüler für die Lokalzeitung über Kaninchenzüchter und mehr, während des Politik-Studiums in Kiel als rasender Sportreporter im Einsatz. Volontariat beim Schleswig-Holsteinischen-Zeitungsverlag, danach acht Jahre als Redakteur für eine Touristikzeitschrift in der Weltgeschichte unterwegs. Seit Juli 2014 bei der Evangelischen Zeitung – seit dem Start von evangelische-zeitung.de für online zuständig.

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