Die Deutschen spenden weiterhin, aber in der Summe weniger. Und auch die Zahl der Spender sinkt weiter. Doch wenn jemand spendet, gibt er laut Deutschem Spendenrat gerne mehr.
Privatpersonen in Deutschland geben insgesamt weniger Geld für wohltätige Zwecke. Doch wenn sie spenden, dann mit durchschnittlich 41 Euro pro Spende mehr als im Vorjahreszeitraum, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Bilanz des Deutschen Spendenrats hervorgeht. “Wer spendet, spendet bewusster und großzügiger – das ist ein starkes Signal in schwierigen Zeiten”, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Spendenrats, Ulrich Pohl.
Bei einem Spendenvolumen von 2,8 Milliarden Euro bis September prognostiziert der Spendenrat eine Gesamtsumme für das laufende Jahr von 4,7 Milliarden Euro. Das wäre ein Rückgang im Vergleich zu 2024, als die Spendensumme noch bei 5,1 Milliarden Euro lag. Im Schnitt würden Menschen, die überhaupt spendeten, dies sechsmal pro Jahr tun.
Es gebe weltpolitische und gesellschaftliche Veränderungen, durch die viele Menschen verunsichert seien, sagte der Geschäftsführer des Spendenrats, Martin Wulff. Das sei vor allem in Haushalten mit einem Nettoeinkommen von weniger als 4.000 Euro spürbar. Die Menschen wollten zudem lokaler helfen als früher. So sinke etwa das Spendenvolumen für humanitäre Hilfe, während der Bereich Tierschutz deutlich wachse und mittlerweile ein Drittel des gesamten Spendensegments außerhalb der humanitären Hilfe ausmache.
Eine positive Dynamik gebe es in der mittleren Altersgruppe. So verzeichnet der Spendenrat bei den 40- bis 49-Jährigen einen Anstieg um sechs Prozent und bei den 60- bis 69-Jährigen einen Anstieg um elf Prozent. Jedoch sei erstmals in der Altersgruppe über 70 Jahre das Spendenaufkommen deutlich gesunken, sagte Wulff. Auch hier spielten vermutlich höhere Lebenshaltungskosten eine Rolle. Hochgerechnet gebe es 11,8 Millionen Geldspender. Das sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Rückgang um 1,4 Millionen.
Die Umfrage zur “Bilanz des Helfens – Trends und Prognosen” wird von YouGov im Auftrag des Deutschen Spendenrats durchgeführt. Sie ist ein Teilergebnis des Charity-Panels, das auf kontinuierlichen schriftlichen Erhebungen bei einer repräsentativen Stichprobe von 10.000 Teilnehmern basiert. Der Spendenrat ermittelt die Summe jährlich seit 2005.
Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen hatte am Dienstag gemeinsam mit dem Deutschen Fundraising Verband ebenfalls eine Befragung veröffentlicht. Basis des “Spendenmonitors” war eine Online-Befragung von rund 5.000 Menschen zwischen 16 und 75 Jahren zum Spendenverhalten in den vergangenen zwölf Monaten. Der Spendenmonitor sieht anders als der Bericht des Deutschen Spendenrats einen Anstieg der Privatspenden um 300 Millionen auf 6,3 Milliarden Euro. Großspenden von mehr als 1.500 Euro waren ausgenommen. Die Organisationen verweisen aber darauf, dass die Ergebnisse aufgrund der unterschiedlichen Erhebungsmethoden nicht direkt vergleichbar sind.