Die SPD im nordrhein-westfälischen Landtag erwartet, dass die Genehmigung für die anstehenden Atommülltransporte von 152 Castoren vom Zwischenlager am Forschungsreaktor Jülich ins Brennelemente-Zwischenlager Ahaus bald erfolgt. Man gehe davon aus, dass das Bundesamt für Sicherheit der nuklearen Entsorgung (Base) die Genehmigung der Transporte etwa „Mitte August“ erteilen werde, sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Alexander Vogt, am Donnerstag in Düsseldorf. Dann werde es noch einmal etwa sechs bis acht Wochen an Vorbereitungszeit dauern, ehe die Transporte starten könnten.
Nach Angaben von Vogt dürfte der Transport der Castoren mit ihren insgesamt etwa 300.000 Brennelemente-Kugeln „vier bis acht Jahre“ in Anspruch nehmen. Hintergrund sei, dass pro Transport nur zwei Castoren die rund 170 Kilometer lange Strecke ins Münsterland absolvieren könnten. Diese Transporte dürften von Protesten begleitet werden und seien „nicht im Sicherheitsinteresse des Landes und der Menschen“. Zudem erforderten sie einen hohen Sicherheitsaufwand und bündelten Kräfte der Polizei.
Die schwarz-grüne Landesregierung hätte überdies „in den letzten Jahren die Möglichkeit gehabt, diese Transporte zu verhindern“, betonte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende. Die Option des Neubaus eines Zwischenlagers in Jülich hätte in Abstimmung mit dem Betreiber der Einrichtung, der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN), vorangetrieben werden können.
Laut Vogt hätten die Kosten für den Bau eines Zwischenlagers in Jülich bei rund 550 Millionen Euro gelegen, allein für die jetzt anstehenden Castor-Transporte nach Ahaus seien Kosten von rund 150 Millionen Euro zu erwarten. Hinzu kämen die Aufwendungen für die Sicherung der Transporte, den Einsatz der Polizei sowie die Genehmigungen, die bislang nicht zu beziffern seien. Überdies müsste die Landesregierung nun erklären, wie es mit dem Zwischenlager in Ahaus weitergehe, wenn die dortige Betriebsgenehmigung im Jahr 2036 ende, erklärte Vogt.
Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung in Berlin hatte Ende Juni die baldige Genehmigung weiterer Transporte von Atommüll nach Ahaus angekündigt. Anti-Atomkraft-Initiativen kritisieren, dass die Transporte durch dicht besiedeltes Gebiet führten und nicht konsequent zu sichern seien. Die Atomkraftgegner forderten stattdessen, den Neubau des jetzigen Zwischenlagers in Jülich voranzutreiben.
Die auf 20 Jahre begrenzte Betriebserlaubnis des Jülicher Lagers war bereits 2013 ausgelaufen. Um den Transport des Atommülls nach Ahaus hat es einen jahrelangen Rechtsstreit gegeben. Ende 2024 hatte dann das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht (OVG) die Klagen der Stadt Ahaus und eines Bürgers gegen die Genehmigung zur Aufbewahrung der 152 Castoren im Zwischenlager Ahaus abgewiesen.