Sozialverband kritisiert Reformpläne im Gesundheitssystem

Bundesgesundheitsministerin Warken will die hohen Kosten im Gesundheitssystem vermehrt auf die Patienten umlegen. Doch dagegen gibt es Kritik. Auch der Sozialverband VdK befürchtet soziale Ungerechtigkeiten.

Der Sozialverband VdK kritisiert die geplante Mehrbelastung von Patienten im Gesundheitssystem. "Die geplanten Erhöhungen der Zuzahlungen für Arzneimittel und andere Leistungen stehen im klaren Widerspruch zum sozialen Grundgedanken der Gesetzlichen Krankenversicherung", erklärte VdK-Präsidentin Verena Bentele am Freitag in Berlin. "Besonders ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen sind oft auf mehrere Medikamente angewiesen. Steigende Zuzahlungen belasten sie schon heute finanziell und erhöhen das Risiko, dass notwendige Medikamente aus Kostengründen nicht mehr eingenommen werden." Eine gute Gesundheitsversorgung dürfe nicht vom Geldbeutel abhängen.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Donnerstag höhere Zuzahlungen für Patienten befürwortet. Zudem warb sie erneut für das sogenannte Primärarztsystem, bei dem Menschen zunächst den Hausarzt aufsuchen müssen, der sie dann bei Bedarf an Fachärzte überweist.

"Ein patientenzentriertes Primärversorgungssystem kann durchaus sinnvoll sein, um mehr Orientierung im komplexen Gesundheitswesen zu schaffen und Fehl- sowie Überversorgung zu vermeiden", sagte dazu die VdK-Präsidentin. "Doch ein verpflichtendes Primärarztmodell, verbunden mit möglichen Zusatzgebühren beim direkten Gang zum Facharzt, würde bestehende Ungleichheiten in der Versorgung weiter verschärfen." Menschen mit höherem Einkommen könnten sich solche Zusatzkosten problemlos leisten, während Haushalte mit niedrigen oder mittleren Einkommen zusätzlich belastet und damit weiter benachteiligt wären. "Hinzu kommt, dass nicht alle Menschen einen Hausarzt haben und ein verpflichtendes Primärarztmodell etwa auf dem Land kaum funktionieren wird."

Bentele betonte, Reformen im Gesundheitssystem müssten sozial gerecht gestaltet sein und dürften nicht allein durch Mehrbelastungen für Versicherte finanziert werden. "Vielmehr sollte der Blick auf diejenigen gerichtet sein, die jahrelang am Gesundheitssystem sehr gut verdient haben wie die Pharmaindustrie und investorengeführte Medizinische Versorgungszentren." Diese müssten jetzt einen fairen Beitrag zur Konsolidierung des Systems leisten.

👋 Unser Social Media