Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg (Liga-BW) hat zum Start des Wahljahres 2026 die Landespolitik eindringlich aufgefordert, den sozialen Bereich als zentralen Standort- und Wirtschaftsfaktor anzuerkennen. „Soziales ist keine Wohlfühlpolitik, sondern die Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Stärke“, sagte Liga-Vorstandsvorsitzende Beatrix Vogt-Wuchter (Diakonisches Werk Baden) am Montag in Stuttgart. Die soziale Daseinsvorsorge stehe zunehmend „auf wackligen Beinen“ - angesichts knapper Mittel, Fachkräftemangels und wachsender Aufgaben.
Etwa 845.000 Menschen arbeiten nach Angaben der Liga-BW im Sozial- und Gesundheitswesen des Landes - mehr als in der Automobilindustrie. Dennoch werde der Bereich „politisch und kommunikativ unterschätzt“, betonte Vogt-Wuchter. Die Liga fordert deshalb einen „Sozialgipfel nach dem Vorbild des Automobilgipfels“, um den Umbau des Sozialstaats strategisch zu begleiten.
Auch der stellvertretende Liga-Vorsitzende Marco Lang (AWO Württemberg) warnte vor einer weiteren Schwächung sozialer Angebote: „Soziales ist kein Luxus und kein Nice-to-have.“ Jeder Mensch sei im Laufe seines Lebens auf soziale Leistungen angewiesen. So trügen etwa Migrationsberatungen und Pflegeangebote zur Stabilität des Gemeinwesens bei und verhinderten hohe Folgekosten. Eine demnächst erscheinende Studie zeige, dass jeder in die Migrationsberatung investierte Euro 25 Euro an späteren Ausgaben spare.
Mit ihrer Kampagne „Soziales ist Zukunft!“ will die Liga-BW in den kommenden Monaten verdeutlichen, wo die soziale Infrastruktur bereits jetzt bröckelt - und welche politischen Weichenstellungen nötig sind, um Teilhabe, Pflege und Integration langfristig zu sichern. (0290/02.02.2026)