Die größten Benotungsunterschiede gibt es nicht zwischen Bundesländern, sondern innerhalb der einzelnen Schule. Unterschiedliche Noten bei vergleichbaren Kompetenzen seien nur zu drei Prozent durch Abweichungen zwischen den Bundesländern zu erklären, teilte die Universität Tübingen am Montag mit. Dies habe eine gemeinsame Studie mit dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) ergeben. Eine einheitliche nationale Bildungspolitik, so die Forscher, würde deshalb vermutlich kaum zu einer besseren Vergleichbarkeit von Schulnoten beitragen. Die Studie wurde im Fachjournal „Zeitschrift für Erziehungswissenschaft“ veröffentlicht.
Bei der Studie wurden Unterschiede zwischen Bundesländern, Unterschiede zwischen Schulen innerhalb der einzelnen Bundesländer und Unterschiede innerhalb einzelner Schulen untersucht. Dabei wurden Daten von rund 55.000 Neuntklässlern ausgewertet. Neben den Schulnoten nutzten die Forscher Prüfungsergebnisse aus den IQB-Bildungstrend-Studien der Jahre 2015 und 2018. Diese wurden durch schriftliche standardisierte Tests gewonnen und dokumentieren Kompetenzunterschiede. Ein Vergleich der standardisierten Tests mit den tatsächlichen Schulnoten ergab, dass sich nur 21 Prozent der Unterschiede bei Schulnoten durch tatsächliche Kompetenzunterschiede erklären lassen.
Von den übrigen Unterschieden in der Benotung ließen sich insgesamt 85 Prozent auf Unterschiede innerhalb einzelner Schulen zurückführen. Es kam also stark auf die jeweilige Lehrkraft und die jeweilige Klasse an. Unterschiede zwischen Schulen innerhalb der einzelnen Bundesländer, etwa durch unterschiedliche durchschnittliche Leistungsniveaus oder unterschiedliche Benotungspraxen, erklärten weitere zwölf Prozent. Unterschiede zwischen Bundesländern leisteten mit drei Prozent den mit Abstand kleinsten Beitrag zur Erklärung der mangelnden Vergleichbarkeit von Schulnoten. (0425/26.02.2024)