Nach fast 85 Jahren hat die Forschung ihre Arbeit an der Schiller-Nationalausgabe abgeschlossen. Über drei politische Systeme hinweg sei das gesamte schriftlich überlieferte Werk von Friedrich Schiller (1759-1805) gesammelt und eingeordnet worden, sagte der Leiter des Weimarer Goethe- und Schiller-Archivs, Christian Hain, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ein Festakt am Donnerstag in Weimar feiere diese „Kraftanstrengung“.
Dabei sei es den beteiligten Literaturwissenschaftlern weitgehend gelungen, sich politischer Einflussnahme zu entziehen. Das habe besonders die Zeit von 1945 bis 1990 betroffen, als in beiden deutschen Staaten gemeinsam an den Bänden gearbeitet wurde. „Die Nationalausgabe ist eine unglaubliche deutsch-deutsche Erfolgsgeschichte“, sagte Hain. Seit 1992 wurden die Arbeiten im Auftrag der - wie sie damals hieß - Stiftung Weimarer Klassik und des Schiller-Nationalmuseums Marbach von Norbert Oellers fortgeführt.
Die lange Bearbeitungsspanne mache das Werk selbst zu einem zeitgeschichtlichen Dokument, sagte Hain. Unter der Bezeichnung Nationalausgabe würde heute niemand mehr so ein Projekt starten, fügte er hinzu. Aber genau dieser Name sollte heute das Bewusstsein dafür schärfen, auf die Deutungsarbeit und mögliche Einflussnahmen zu achten.
Die Edition richtet sich laut Hain vor allem an das wissenschaftliche Publikum. Die Nationalausgabe finde ihren Platz in den Universitätsbibliotheken, weniger in Privathaushalten. „Aber für die Schiller-Forschung ist sie ein unglaublich wichtiges Instrument“, sagte der Literaturwissenschaftler.
Mit dem nun vorliegenden 43. Band ist die Arbeit an der Nationalausgabe laut Hain definitiv abgeschlossen. Zwar sei damit zu rechnen, dass zukünftig noch bislang unbekannte Schiller-Briefe oder Handschriften entdecken werden. Trotzdem werde die Arbeit an der Edition deswegen nicht wieder aufgenommen. „Vielleicht wird irgendwann einmal die Digitalisierung der Gesamtausgabe die Gelegenheit bieten, solche Nachträge digital einfließen zu lassen“, sagte Hain. Solche Entscheidungen müsste das Goethe- und Schiller-Archiv in Abstimmung mit den Partnerinstitutionen, insbesondere Marbach, treffen.
Die Schiller-Nationalausgabe ist die Gesamtausgabe der Werke, Briefe und Korrespondenz Schillers. In ihr finden sich alle handschriftlichen und gedruckten Überlieferungen seines Werks, die mit Anmerkungsteilen etwa zu Quellen, Entstehungs- und Wirkungsgeschichte, Lesarten und Register versehen sind.