Rom zwischen Ostertourismus und Papsttod

Wenig sichtbare Trauer kurz nach Franziskus' Sterben

Der Papst ist tot. Nach zwölf Jahren im Amt und einem letzten großen Segen stirbt Franziskus am Ostermontag. Am Vatikan sind viele Menschen unterwegs, aber nur wenige für den menschennahen Pontifex.

Dong ... Dong ... Dong - das tiefe Totengeläut der großen Glocke, der Campanone, beginnt um 12.00 Uhr und dauert minutenlang. Ein Mann schlägt die besondere Glocke des Petersdoms von Hand. Der Papst ist tot.

Franziskus starb am Morgen des Ostermontag um 7.35 Uhr. Trotz langer schwerer Krankheit war der Zeitpunkt überraschend. Weniger als 24 Stunden zuvor spendete der 88-Jährige noch den wichtigen Ostersegen "Urbi et orbi" vom Balkon des Petersdoms - wenn auch mit brüchiger Stimme. Danach fuhr er mit seinem Papamobil die Via della Conciliazione hinauf, grüßte die Menschen, segnete Kinder. Es sollte sein letzter öffentlicher Auftritt sein.

Kurz vor 10.00 Uhr teilte dann der zuständige Kardinalkämmerer Kevin Farrell den Tod des Oberhauptes von 1,4 Milliarden Katholiken mit. Die Nachricht verbreitete sich rasend schnell über die Medien. Indes läuft der normale Alltag rund um den Vatikan weiter. Über die Ostertage ist Rom besonders voll. Massen von Touristen, Pilgern und Römern spazieren auch an diesem freien Ostermontag durch die Stadt. Die Straße in Richtung Vatikan sowie der Petersplatz selbst sind mehr als gut besucht. Wie an jedem anderen Tag besichtigen Touristen den Petersdom, schauen nach Souvenirs, beten und machen Selfies an dem berühmten Ort.

Auch das größte katholische Pilgerereignis - das Heilige Jahr - läuft wie gewohnt weiter. Der Papst hatte es an Heiligabend 2024 eröffnet. Die Heilig-Jahr-Pilger gehen am Ostermontag betend über die für sie eingerichtete Route in den Petersdom. Das nächste Spezialevent des Jubiläums, eines der größten, soll am kommenden Wochenende stattfinden. Mehr als 80.000 Jugendliche aus aller Welt werden dazu in Rom erwartet.

Lediglich die Menge an Medienschaffenden, die innerhalb kürzester Zeit ihre Kameras rechts vor dem Petersplatz aufgebaut haben, deutet aktuell auf ein außergewöhnliches Ereignis hin. Die Vatikan-Fahnen an vielen Palazzi hängen bis auf wenige Ausnahmen noch nicht auf Halbmast, die drei weißen Rosen, die ein älteres italienisches Ehepaar mit sich trägt, sind nicht zum Gedenken gedacht.

Doch im Laufe des Tages kommen auch Menschen zum Petersplatz, die die traurige Nachricht gehört haben. Eine Familie aus Köln wollte am Montagmorgen eigentlich abreisen. Doch dann hörten sie vom Tod des Papstes und entschlossen sich, noch einmal am Vatikan Abschied zu nehmen. Franziskus' Tod berühre sie und sie finden es bemerkenswert, dass er bis zuletzt den Willen hatte, öffentlich aufzutreten.

Franziskus war schon lange gesundheitlich geschwächt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Anfang des Jahres zog er sich Atemwegsinfektionen zu, die im Februar lebensbedrohlich wurden. So lange wie nie zuvor musste der Papst im Krankenhaus behandelt werden. Nach 38 Tagen wurde er entlassen, und sollte sich weitere zwei Monate schonen. Doch in den vergangenen Wochen zog es ihn immer wieder raus zu den Menschen: Er besuchte den Petersdom und seine Lieblingskirche Santa Maria Maggiore, grüßte die Menschen nach dem Palmsonntagsgottesdienst und traf an Gründonnerstag Häftlinge eines römischen Gefängnisses.

Das erste und letzte Mal hat ihn Familie Preul aus Straubing am Sonntag auf dem Petersplatz gesehen. Sie seien überrascht, dass es nun doch so schnell gegangen ist. Eigentlich hätten die Eltern, die mit Tochter und deren Freund angereist sind, gemeinsam mit einer Pilgergruppe aus Regensburg eine Papstaudienz am Mittwoch gehabt, erzählen sie und suchen nach angemessenen Worten: "Wir sind schon traurig."

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