Kalium-Perchlorat, Schwefel, Kaliumchlorat, Laktose oder Kolophonium? Bei der Papstwahl muss die Chemie stimmen - nicht nur unter den Kardinälen.
Wenn die Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle zur Papstwahl ("Konklave") versammelt sind, gibt es nur ein erlaubtes Kommunikationsmittel mit der Außenwelt: Rauchzeichen. Die erfolgreiche Wahl eines neuen Papstes wird durch weißen Rauch signalisiert. Schwarzer Rauch zeigt an, dass ein oder zwei Wahlgänge erfolglos waren.
Erzeugt wird der Rauch seit dem Konklave 2005 von zwei Öfen. Der eine Ofen, der seit 1939 verwandt wird, dient zur Verbrennung der ausgezählten Wahlzettel. In einem modernen Ofen von 2005 wird mit Hilfe von Chemikalien weißer oder schwarzer Rauch produziert. In früheren Zeiten gab es nur einen einzigen Ofen in der Sixtina; dem Rauch versuchten die Papstwähler durch Zusatz von Ruß oder Teer eine dunkle Farbe zu geben, mit Hilfe von Stroh eine helle.
Neuerdings erhalten die Kardinäle zwei Sätze von Kartuschen mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen: Für den schwarzen Rauch wird brandförderndes Kalium-Perchlorat mit Anthracen (Grundlage industrieller Farbstoffe) und Schwefel kombiniert. Der Cocktail für weißen Rauch besteht aus Kaliumchlorat, wie es in Streichhölzern verwendet wird, Laktose und dem Kiefernharz Kolophonium - einem Stoff, den Geiger und Kletterer benutzen und der seit alters her in der Pyrotechnik Einsatz findet.
Um weißen oder schwarzen Rauch zu erzeugen, muss die entsprechende Kartusche in ein Fach im dafür vorgesehenen Ofen eingelegt werden. Verbrannt wird der Inhalt nicht mit natürlichem Feuer, sondern elektrisch. Die Rohre beider Öfen laufen noch innerhalb der Sixtina zusammen und enden in einem eigens für das Konklave installierten Kamin über dem Dach. Um den Zug zu verbessern, wird das Ofenrohr elektrisch vorgeheizt. Für den Notfall ist zusätzlich ein Ventilator eingebaut.