Obwohl neue Medikamente eine Dialyse häufig verhindern können, werden Nierenkrankheiten hierzulande zu selten rechtzeitig erkannt. Die Fachgesellschaft fordert ein regelmäßiges Screening für Menschen mit erhöhtem Risiko.
Die Chronische Nierenkrankheit kann durch moderne medikamentöse Therapien aufgehalten werden: Mit dieser Therapie könne auch ein langfristiger Stopp der Nierenschädigung erreicht werden, teilt die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) am Mittwoch in Berlin mit. Nephrologen sind Ärzte, die auf Erkrankungen der Niere spezialisiert sind. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie sei ein konsequentes Nierenscreening, insbesondere bei Risikogruppen, mahnt die Fachgesellschaft.
Die Gesellschaft für Nephrologie fordert daher ein regelmäßiges Nierenscreening bei Risikogruppen, kombiniert mit dem frühzeitigen Einsatz leitliniengerechter Medikamente. So könne die Zahl der Dialysepatienten nachhaltig gesenkt und die Lebensqualität vieler Betroffener deutlich verbessert werden. Medizinprofessorin Sylvia Stracke als Pressesprecherin der DGfN weist darauf hin, dass die Chronische Nierenkrankheit nicht zwangsläufig eine fortschreitende Erkrankung sein müsse.
Trotz aller Fortschritte werden Nierenkrankheiten nach Angaben der Fachleute in Deutschland noch immer zu selten frühzeitig erkannt. Selbst bei Risikopatienten mit Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen kämen Frühtests - ein Blut- und Urintest - viel zu selten zum Einsatz. "Das ist eine verpasste Chance", erklärt Stracke. "Wer Nierenkrankheiten früh erkennt, kann heute häufig verhindern, dass es überhaupt zur Dialyse kommt. Ein modernes Nierenscreening ist deshalb kein Selbstzweck - es ist der Schlüssel zu einer deutlich besseren Prognose."