Insgesamt 390 Schulen in Niedersachsen sollen künftig mehr Geld erhalten, weil sie einen hohen Anteil an sozial benachteiligten Schülerinnen und Schülern haben. Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) stellte am Donnerstag die Liste der Schulen vor, die in das sogenannte „Startchancenprogramm“ des Bundes und der Länder aufgenommen wurden. Die Auswahl sei auf der Grundlage von Sozialdaten für die jeweiligen Schulen erfolgt, teilte das Kultusministerium mit.
Bund und Länder hätten sich Anfang Februar auf eine Verteilung der Mittel nach den Kriterien Armut und Migration verständigt. „Noch immer hängt der Bildungserfolg zu sehr vom Geldbeutel oder vom Status der Eltern ab“, sagte die Ministerin. Ziel sei es, dies aufzubrechen und für mehr Chancengerechtigkeit zu sorgen.
Die 390 „Startchancenschulen“ sollen laut Hamburg bis 2034 gezielt unterstützt werden. Von August an soll das Programm aufgebaut werden, erläuterte die Ministerin. Dabei gehe es über das Finanzielle hinaus um eine Schulentwicklung. Beteiligt seien 250 Grundschulen, 130 weiterführende Schulen und 10 berufsbildende Schulen. Ein Drittel der Schulen liege in den acht großen Städten Niedersachsen.
Ausschlaggebend für die Auswahl seien unter anderem der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, von Schülerinnen und Schülern ohne deutsche Staatsangehörigkeit sowie der Anteil derjenigen, die an Sprachfördermaßnahmen teilnehmen. Armut, gemessen an dem Teil der Schülerinnen und Schüler, die für eine Befreiung von der entgeltlichen Lernmittelausleihe berechtigt sind, werde ebenso berücksichtigt, wie Förderbedarfe. Auch Schulen in freier Trägerschaft konnten die entsprechenden Sozialdaten vorlegen.
Der Bund fördert das Programm den Angaben zufolge mit einer Milliarde Euro pro Jahr. Niedersachsen werde mit jährlich rund 96 Millionen Euro an Bundesmitteln profitieren. Das Geld soll für eine bessere Infrastruktur der Schulen genutzt werden sowie für die Schul- und Unterrichtsentwicklung. Ziel sei es, die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die derzeit die Mindeststandards in Mathematik und Deutsch verfehlen, zu halbieren.