Tanja Claußen steht in ihrer Werkstatt am Herd. In einem Kochtopf schmelzen Kokosfett und Sheabutter, vermischt mit Oliven- und Rapsöl. Gleich wird sie eine Portion Natronlauge zufügen und die Mischung mit dem Stabmixer „auf Tempo“ bringen. Weil die Lauge ätzend ist, trägt Claußen Kittel und Schutzbrille und hat dünne Handschuhe übergestreift. Das sieht schwer nach Chemie-Labor aus. Doch die Schutzkleidung ist nur vorübergehend nötig. Was hier entsteht, pflegt schon bald die Haut: handgemachte Lavendelseife aus natürlichen Zutaten.
Tanja Claußens „Seifenkunst“ in Bad Nenndorf ist eine von zahlreichen Manufakturen in Deutschland: kleine Betriebe, die sich mit kreativen Ideen der Herstellung von fester Seife aus natürlichen Zutaten verschrieben haben. Und die auf üppige Kunststoff-Verpackung verzichten können, wie sie bei Flüssig-Produkten üblich ist.
Feste Seife kommt mit wenig Verpackung aus und enthält selten Problemstoffe
Die Masse im Topf ist inzwischen zu einem gelblichen Gel geworden. Tanja Claußen fügt Lavendelöl hinzu und gießt eine Hälfte in eine längliche rechteckige Form. Die andere Hälfte wird mit mineralischem Farbstoff vermischt, dann fließt auch dieser Teil in die Form. Anschließend zieht die Seifen-Handwerkerin einen Spatel durchs nun gelb-graue Gemisch, das sorgt später fürs marmorierte Aussehen.Der Rest ist Warten: Nach 24 Stunden kann Claußen den hart gewordenen Seifenblock aus der Form nehmen und in rund 20 Stücke schneiden. Dann beginnt eine Ruhephase von 40 Tagen: „Die Seife braucht Zeit zum Reifen, das ist wie bei Käse oder Wein“, erklärt die 50-Jährige. Der pH-Wert sinkt, die Seife wird milder und überhaupt erst verwendbar für die Haut. Der Duft verstärkt sich, die graue Farbe wird zu violett. Alles nur Chemie – „und doch jedes Mal ein Wunder“, schwärmt Claußen. Die handgemachten Stücke liegen im Trend. „Feste Seife kommt mit wenig Verpackung aus und enthält selten Problemstoffe. Wohl auch deswegen erlebt das Kosmetikprodukt zurzeit ein Comeback“, schreibt etwa das Magazin „Ökotest“. Aus hygienischen Gründen gebe es keine Bedenken, im eigenen Haushalt Stückseife zu nutzen. Auch die Krankenkasse AOK stellt fest: „Das gute alte Stück Seife hat in puncto Nachhaltigkeit Vorteile gegenüber der flüssigen Variante.“ Die natürlichen Inhaltsstoffe, womöglich sogar aus Bio-Anbau, seien in der Regel gut biologisch abbaubar. Auch für die Haut seien Seifenstücke oft vorteilhafter.Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
