Niedersachsen hat am Freitag in Wilhelmshaven das 40-jährige Bestehen des Nationalparks Wattenmeer in seinem Bereich mit einem Festakt gefeiert. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) würdigte das Schutzgebiet als „bedeutenden Teil niedersächsischer Identität“. „Dieses einzigartige Ökosystem zeigt uns immer wieder aufs Neue, wie wichtig es ist, Verantwortung für unsere Natur und wertvolle Lebensräume zu übernehmen“, sagte er. Umweltverbände warnten zugleich vor neuen Gefahren für das Schutzgebiet.
Am 1. Januar 1986 trat die Verordnung zur Einrichtung des Nationalparks in Kraft. Mit einer Fläche von rund 3.450 Quadratkilometern ist die Fläche im Wattenmeer nach Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums der zweitgrößte Nationalpark in Deutschland und der älteste in Niedersachsen. Seit 2009 gehört er zum Weltnaturerbe der Unesco. Als Schutzfläche ist er mit den Wattenmeer-Nationalparks in Schleswig-Holstein, Dänemark und den Niederlanden verbunden.
Die Wattflächen, Sandbänke, Strände, Dünen und Salzwiesen sind die Heimat für rund 10.000 Pflanzen- und Tierarten mit Millionen von Lebewesen. Jährlich machen dort rund zehn Millionen Zugvögel Station. Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) sagte, eine Evaluation des Nationalparks durch seinen Dachverband zeige, dass dieser sich im vergangenen Jahrzehnt sehr positiv entwickelt habe. „Gerade in Zeiten der Klimakrise ist der Nationalpark Wattenmeer von zentraler Bedeutung.“
Der Umweltminister verwies zugleich auf die Herausforderungen für das Gebiet, die von einem steigenden Meeresspiegel, massiven Seegrasverlusten und Plastikmüll bis zu russischen Schattenöltankern und zunehmenden Nutzungsansprüchen reichten. Auch Umweltverbände würdigten Erfolge und warnten zugleich vor Bedrohungen.
„Der Nationalpark hat die einzigartige Natur des Wattenmeeres mit ihren Tieren und Pflanzen gestärkt“, sagte Jannes Fröhlich vom WWF Deutschland. Das zeige sich am Artenreichtum der Salzwiesen oder daran, dass Seehunde und Kegelrobben wieder zahlreich im Wattenmeer lebten. Doch auch nach 40 Jahren Nationalparkstatus fehlten fischereifreie Zonen, die die naturschutzrechtlichen und ökologischen Anforderungen für Nationalparks erfüllten, kritisierte er.
Die Deutsche Umwelthilfe warf der Landesregierung vor, mit ihren Entscheidungen das Wattenmeer zunehmend unter Druck zu setzen. Zu den Risiken gehörten dabei ein Ausbau der Gasförderung, für den unter anderem die politische Unterstützung der Gasexpansion des niederländischen Konzerns One-Dyas vor Borkum stehe, unmittelbar angrenzend an das Wattenmeer. Hinzu kämen Belastungen etwa durch Öl, Lärmverschmutzung oder auch Havarie-Risiken.