Zum Tag des Baums – Mit Pflanzenpower besser durch den Alltag

Vom Naturfoto bis zum selbstgezogenen Salat

Ob Spaziergang im Park, Waldbaden oder Werkeln im Garten - sich in der Natur aufzuhalten und mit Pflanzen zu umgeben, tut Menschen einfach gut. Forschende kommen weltweit zu überraschenden Erkenntnissen.

Die Kastanie auf dem Weg zur Arbeit, der Holztisch im Möbelhaus, der Duft der Rose im Garten, der Blumenstrauß am Empfang oder das Waldposter in der Arztpraxis - Spuren der Natur sind allgegenwärtig. Oft nehmen Menschen das alles nur beiläufig wahr. Buchautorin Kathy Willis hat genauer hingesehen und in ihrem Buch "Die Superkraft der Pflanzen" verblüffende Erkenntnisse aus vielen Studien zusammengetragen. Dabei verrät sie auch, wie jeder von dieser Superkraft im Alltag noch mehr profitieren kann.

Schon seit 1952 wird am 25. April, in diesem Jahr also am (morgigen) Freitag der Tag des Baumes gefeiert - und Bäume gepflanzt, die den Menschen nicht nur an heißen Sommertagen Schatten spenden und die Luft reinigen. Auch jenseits solcher Aktionstage tut sich etwas: Ein neuer Wissenschaftszweig ist im Entstehen, der sich mit den positiven Effekten sinnlichen Naturerlebens auf die Gesundheit befasst. Die britische Biodiversitätsforscherin Willis war nach eigenen Worten selbst überrascht, "dass neben dem Anblick auch das Riechen, Hören und sogar Berühren bestimmter Pflanzen" positive Effekte auf Körper und Geist haben können.

Ob in der Schule, im Krankenhaus oder im Büro: Der Blick in eine grüne Umgebung oder auf eine schöne Naturaufnahme senkt das Stresslevel und sorgt für Konzentration und schnellere Erholung. Eine mögliche Erklärung: Ein Blick in die Natur biete weniger optische Reize als das Umfeld, so dass die "gerichtete Aufmerksamkeit eine kurze Rast einlegen, sich erholen und Kraft schöpfen" könne, schreibt Willis. "Der Anblick grüner Blätter macht uns gelassener, glücklicher, konzentrierter und kreativer." Eine ähnliche Wirkung habe eine Vase mit frischen bunten Blumen auf dem Tisch.

Apropos echt - Kunstpflanzen werden in Privathaushalten und Büros immer beliebter; einen positiven Effekt haben sie mehreren Studien zufolge nicht. Die unechten Pflanzen mögen laut Willis vielleicht hübsch aussehen, hätten aber offenbar "nicht die gleiche beruhigende und stimmungsaufhellende Wirkung wie das Original".

Denn nicht nur der Anblick schöner Pflanzen, auch das Riechen angenehmer Düfte trägt laut Willis zum Wohlbefinden bei. Terpene - die etwa im Duft von Nadelholz, Zitrusfrüchten, Lavendel, Rosmarin und Rosen enthalten sind - sorgen demnach für Entspannung; ein Wald sei eine einzigartige "Geruchslandschaft". Das Inhalieren von Zypressen- oder Wacholderduft sorgt Studien zufolge unter anderem für den Anstieg natürlicher Killerzellen im Blut, was auch eine Rolle in Krebstherapien spielen könnte.

Bestätigt sei inzwischen auch der beruhigende und stresslösende Effekt von Lavendel. Willis rät deshalb, Büros mit Lavendelöl-Zerstäubern auszustatten. Auch könne Rosmarinduft im Alltag genutzt werden, "um unsere Aufmerksamkeitsspanne zu verlängern und geistig rege zu halten".

Wer entspannt und umsichtig Autofahren möchte, sollte zu Rosenduft greifen - auch dies fanden Forscher heraus. Ergebnis einer weiteren Studie: Pfefferminz-Duft wirkt beim Autofahren konzentrationsfördernd und verkürzt die Reaktionszeit. Rosen- wie Pfefferminzaromen können also "eine beruhigende Wirkung auf die Fahrenden haben und cholerische Verkehrsteilnehmer glücklicher und entspannter machen".

Die natürliche Klangwelt - Vogelgezwitscher, das Plätschern eines Baches oder das leise Rauschen der Blätter im Wind - hat ebenfalls einen positiven Effekt. In zahlreichen Studien konnte belegt werden, dass Naturklänge gegenüber den meisten urbanen Geräuschen bevorzugt werden und sogar das menschliche Schmerzempfinden reduzieren können.

Für iranische Forschende ist das Hören von Naturgeräuschen eine "einfache, effektive, sichere, zuverlässige und kostengünstige Methode zur Schmerzlinderung". Das Lauschen von Naturklängen sei zum Stressabbau sogar effektiver als das Betrachten von Grün, schreibt Willis. Der schnellste Entspannungseffekt stelle sich indes ein, wenn gleichzeitig Augen, Ohren und Nase angesprochen würden.

Menschen, die im Wald einen Baum umarmen, werden mitunter schief angesehen. Dabei spielt der Tastsinn beim Entspannen in und mit der Natur eine bislang wenig erforschte Rolle. Schon als Kind lerne der Mensch die Welt durch Berührung kennen, schreibt Willis. Der Tastsinn sei etwa auch relevant bei der Kaufentscheidung für ein neues Möbelstück, wie der Autorin ein Möbelschreiner verrät. Er beobachte bei vielen Kunden "den instinktiven Wunsch, ja, sogar den Drang", mit der Hand über die Oberfläche zu streichen.

Weit häufiger als beim Waldspaziergang haben Menschen aber in ihren eigenen vier Wänden Kontakt zur Natur - durch Grünpflanzen und Holzoberflächen, beobachtet Willis. Doch Holz sei nicht gleich Holz: Versuchspersonen hätten beim Berühren von unbehandeltem Weichholz - etwa von Nadelbäumen, die auch Terpene freisetzen - eine entspanntere körperliche Reaktion gezeigt als bei bearbeitetem Holz. Der Kontakt zu Hartholz habe indes zu einem Anstieg des Blutdrucks geführt.

Sogar das Umtopfen oder Ernten von Salat kann - durch das damit verbundene Berühren von Pflanzenblättern - Positives bewirken. Eine Studie mit Grundschülern konnte durch diese einfachen Tätigkeiten bessere kognitive Leistungen nachweisen. Willis' klares Plädoyer: Jeder kann und sollte sich für das eigene Wohlbefinden mehr mit Pflanzen umgeben. Schließlich könne sich die Integration der Natur in die eigenen Alltagsräume "ebenso positiv auf unser Wohlbefinden auswirken wie der Schritt vor die Tür, in die Natur selbst".

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