Der Kirchenhistoriker Thomas Großbölting wirft den evangelischen Kirchen vor, es fehle ihnen am Willen, sexualisierte Gewalt aufzuarbeiten. Wer das wolle, könne das auch, sagte Großbölting in einem Doppelinterview mit der Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Kerstin Claus, in der im hessischen Oberursel erscheinenden Monatszeitschrift „Publik-Forum“ (Ausgabe zum 9. Februar): „Wir sprechen über Landeskirchen mit großen Etats, mit vielen Mitarbeiterinnen, und nicht über kleine Klitschen.“
Ende Januar hatten Forscher die Ergebnisse der ForuM-Studie über sexualisierte Gewalt in der Kirche vorgestellt, Großbölting war an dem Forschungsprojekt beteiligt, das von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Auftrag gegeben worden war. Demnach gab es in der evangelischen Kirche und in Einrichtungen der Diakonie weit mehr sexualisierte Gewalt als bislang angenommen. Die unabhängige und interdisziplinäre Studie spricht von mindestens 2.225 Betroffenen und 1.259 mutmaßlichen Tätern.
