Die geplanten zweistelligen Millionenkürzungen im Haushalt der Evangelischen Kirche im Rheinland werden nach den Worten ihres leitenden Theologen Thorsten Latzel gravierende Folgen für die kirchliche Arbeit haben. „Jeder einzusparende Euro tut weh“, sagte der Präses am Freitag kurz vor Beginn der rheinischen Landessynode, die bis Dienstag in Bonn tagt. Das Kirchenparlament der zweitgrößten deutschen Landeskirche soll über Einsparungen von 31,8 Millionen Euro entscheiden, ein Fünftel des landeskirchlichen Haushalts. Vorgeschlagen sind dem Kirchenparlament mehr als 60 Maßnahmen. Am Montag will die Synode darüber abstimmen.
„Wir müssen unsere Hausaufgaben machen, um Kirche zukunftsfähig zu erhalten“, betonte Latzel. „Wir dürfen nicht aus den Rücklagen leben.“ Daher werde möglichst ausgewogen versucht, sich an vielen Stellen unabhängiger von der Kirchensteuer zu machen. Dennoch werde es schmerzhafte Abschiede geben.
Die gesamte Struktur und alle Arbeitsfelder würden auf den Prüfstand gestellt, sagte Finanzchef Henning Boecker. Er verteidigte geplante Einschnitte auch im Sozialbereich. So soll den Plänen zufolge der bisher mit jährlich einer Million Euro gefüllte Arbeitslosenfonds gestrichen werden, er könne nicht mehr finanziert werden. Ein Härtefonds soll künftig nicht mehr aus Kirchensteuermitteln, sondern nur noch aus Kollekten gespeist werden. Der Zuschuss für das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe soll um 20 Prozent gesenkt werden, dies betreffe aber nicht direkt diakonische Arbeit, sondern den Spitzenverband.
Starke Einschnitte sind bei den Evangelischen Studierendengemeinden (ESGn) an neun Standorten vorgesehen, sie sollen zu regionalen „Gemeinden junger Erwachsener“ weiterentwickelt werden. Zusammen mit einem Ausstieg aus der Beratung ausländischer Studierender und einer Aufgabe der sechs Studierendenwohnheime könnten 2,7 Millionen Euro eingespart werden.
Die größte Kostenentlastung entsteht mit 8,9 Millionen Euro durch die bereits verhandelte Reduzierung der Umlage an die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Dies bedeute Kürzungen bei anderen Landeskirchen, das neue System sei aber gerechter, sagte Boecker.
Hohe Einsparsummen ergeben sich ferner durch den Rückgang des Pfarrdienstes, die Zahl der Pfarrstellen soll sich bis 2040 auf 700 halbieren. In der kirchlichen Arbeit werde zunehmend auf multiprofessionelle Teams gesetzt, erläuterte die rheinische Vizepräses Antje Menn. Dazu gehörten etwa Gemeindepädagoginnen, Diakone, Kirchenmusiker, Gemeindemanager, ehrenamtliche Prädikanten und Seelsorgerinnen oder neue Berufsgruppen, die auf dem geplanten Bildungscampus in Wuppertal entstehen sollen. Diese kosten weniger Geld als verbeamtete Theologinnen und Theologen.